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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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herausgejagt, vielleicht das ergötzlichste Hallali, das jemals durch die Lite-ratur erklungen! Das Feld, das sie damals auch in der öffentlichen Meinungvollständig behauptet, war mit papiernen Lorbeerkränzen und Perücken be-deckt, und die zu Tod erschreckten Kahlköpfe, nachdem die wilde Jagd längstvorübergestürmt und sie selbst sich wieder stattliche Zöpfe angedreht haben,können die unerhörte Keckheit noch immer nicht vergessen und rufen ihnennoch bis heute ingrimmig das entsetzliche Wort: Jesuiten! nach. Mit Rechtnannte daher Goethe die Romantiker fürchterliche Gegneraller Nichtigkeit,der Parteisucht für das Mittelmäßige, der Augendienerei, der Katzenbuckel-gebärden, Leerheit und Lahmheit, in welcher sich damals die wenigen gutenProdukte verloren." - Allein es war bei ihnen mehr oder minder eben auchnur die frische Jagdlust, die sie so weit fortgerissen. Sie hatten sich durch daswuchernde Schlingkraut der rationalistischen Wüste zwar tapfer durchgehauen,stutzten aber, als sie nun plötzlich vor der vergessenen, alten Kirche standen.Sie wollten allerdings das Positive, aber nicht aus orthodoxem Eifer, sondernum des Geheimnisvollen und Wunderbaren, um des schönen Heiligenscheinswillen, der das Positive umgibt. Sie gaben statt der heidnischen Mythologieeine christliche Mythologie, mit einem Wort: sie verfochten einen Glauben,

den sie im Grunde selber nicht hatten.-------

In Hoffmann sehen wir das letzte aufflackernde Knistern der Flamme, diebereits allen Inhalt verzehrt hatte, und der endliche Sprung aus dieser Phan-tasterei zu dem neuesten Nihilismus hat hiernach kaum etwas Befremdendesmehr. Erging es doch längst schon den Romantikern ungefähr wie den römi-schen Auguren, die bei ihren feierlichen Weissagungen einander nicht ohneheimliches Lächeln ins Gesicht sehen konnten.

So gefährlich ist es, mit dem Heiligen zu spielen. Denn wer hochmütig oderschlau die ewigen Wahrheiten und Geheimnisse als beliebigen Dichtungsstoffzu überschauen vermeint, wer die Religon, die nicht dem Glauben, dem Ver-stände oder der Poesie allein, sondern allen dreien, dem ganzen Menschen an-gehört, bloß mit der Phantasie in ihren einzelnen Schönheiten willkürlichzusammenrafft, der wird zuletzt ebenso gern an den griechischen Olymp,als an das Christentum glauben und eins mit dem andern verwechseln und ver-setzen, bis der ganze Himmel öde und leer wird. (Eichendorff, Geschichteder poetischen Literatur Deutschlands, 1857.)

SCHLEGELS SHAKESPEAREÜBERSETZUNG

Schlegel ist vor allem Sprachmeister. Die Sprache, mit der er siebzehn Shake-spearestücke übersetzte, ist die Anwendung der durch Goethes sprachgewor-denes Erleben geschaffenen Sprachmöglichkeiten auf Shakespeares Werk. Sieist die am und im Shakespeare nachgelebte Vergangenheit der deutschenSprache. Da Schlegel das Spracherlebnis, die Kraft, Geformtes geistig zu durch-dringen, im höchsten Grade hatte, dies Geformte aber fast dem ganzen Um-fang, der ganzen Breite Shakespeares nahekam, da die deutsche Sprache fürdie Mehrzahl der Shakespearischen Seelenwerte Äquivalente bot: ist seineÜbersetzung jenes Meisterwerk geworden, und er durfte sich wohl rühmen

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