Sprache noch ein schönes Residuum unserer Vaterstadt bewahrt. Wir ver-stehen uns beide."
Diese rheinsche Zunge redete auch sein Rheinischer Merkur, wie er es selbstin seinem ersten Blatte von sich verkündete, sprechend: „Auch die Länderdiesseits des Rheines (auf seinem linken Ufer) haben seit dem Beginne der ge-schriebenen Geschichte dem deutschen Stamme angehört. Öfter ihre Regen-ten wechselnd, haben sie durch alle die Jahrhunderte Sitte, Sprache, National-charakter unverändert beibehalten. Wir möchten in unserem Unternehmendiese rheinische Zunge im großen deutschen Orden, so viel an uns ist, wiederherstellen und ihr wieder Sitz und Stimme verschaffen im Rate der Brüder."Und an einer anderen Stelle, wo er die Jugend des Rhein- und Mosellandesin den Kampf gegen den fremden Zwingherrn aufruft: „Ganz Deutschlandehrt und achtet mit Vorliebe die Bewohner des schönen Rheines, die Mosellaner,die an der Saar und alles, was sonst in unsern Gauen lebt und drängt, überall,wo wir erscheinen, werden wir mit Herzlichkeit und Liebe aufgenommen,man hat Freude an unserm Wesen und erkennt uns für Deutsche vom Kerndes Landes, und es war ein tiefer Schmerz für das gesamte Volk, als man unseine Zeit von ihm abgerissen. Und diese Ehre sollten wir verscherzen? —Nein, wie vorhin, als das deutsche Reich noch in alter Herrlichkeit geblüht,so müssen auch jetzt Schwaben, Pfälzer und alles, was den Rhein hinunterwohnt, in allen deutschen Schlachten die Vorhand wieder sich gewinnen:denn der Rhein ist Deutschlands hochschlagende Pulsader. Darum auf, ihrJünglinge in allen diesen Landen! Deutschland soll wissen, daß ihr nicht vomalten Stamme entartet seid." (Guido Görres, Joseph von Görres, 1851.)
AUSGANG DER ROMANTIK
Das treffendste Bild des Ausganges der Romantik bietet Hoffmann dar.Glimpf und Schimpf, Verstand und Überschwenglichkeit, Grauen und schallen-des Gelächter, Rührung und ironischer Hohn ringen und fressen hier, wie diebekannten beiden Löwen, einander in der Verzweiflung wechselseitig auf, daßnichts als die Schweife übrigbleiben. Man könnte darauf die von der Bibliothekder schönen Wissenschaften im Jahre 1758 gegebene Definition der Romanzeanwenden: „ein abenteuerliches Wunderbare mit einer possierlichen Traurig-keit erzählt". — Sie hatten die Phantasie von den Banden des Verstandesgelöst; aber die Befreite war ihnen plötzlich davongefahren und über Gipfelund Wipfel in wüstem Flug bis in jenes unwirtbare Leer hinausgestürzt, woder Himmel dunkel und die Erde nur noch in gespensterhafter Luftspiegelungerscheint. Treffend daher sagte damals Jean Paul, obgleich er selbst früherHoff mann in die Lesewelt eingeführt hatte, in bezug auf diese Art von Poesie:..Unstreitig ist jetzt die Belladonna (wie man die Tollkirsche nennt) unsererMuse Primadonna und Madonna, und wir leben im poetischen Tollkirschen-fest." --------
So hatten nun allerdings die Romantiker — und hier erscheinen sie durchausliebenswürdig — den Rationalismus aus allen seinen verjährten Positionenü nd Verstecken in Religion, Politik, Haus, Erziehung und Sitte unbarmherzig
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