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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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das neue Evangelium, das uns einst Lessing verhieß, zu bilden. (Adam Müller,Vorlesungen über die deutsche Wissenschaft und Literatur, 1807.)

GESCHICHTLICHER SINN: JOHANNES VON MÜLLER

An dem Einzelnen hat Müller eine gar große Freude, und das rohe Erz, waser mit unsäglichem Eifer und kritischem Fleiß zusammengebracht, hat erwirklich lieb. Ein sinniger Mann, wandert er in seiner Werkstätte umher,beschauet dieses Stück und jenes, herzlich erfreuet über seine Schätze. DerBemerkungen über dieselben werden ihm zuviel, Erinnerungen mancher Artrühren ihn tief, Bilder werden in ihm wach, seine Werkstätte wird ihm zuenge, die Ruhmbegierde, seine Schätze der Welt zu zeigen, der edle Durst,nützlich zu werden, das Beispiel großer Männer und das Altertum sprengenseine Pforte, und wir sehen ihn in seiner Werkstätte. Da kann er die Bewe-gungen seines Herzens und seiner Einbildungskraft nicht verbergen, nichtdie Unbehülflichkeit, mit der er seinen Reichtum zum Anschauen ordnet:er hat nicht Zeit, nicht Lust, das rohe Erz noch sehr zu bearbeiten, und nacheinigem Behauen, einiger Politur, fügt er es zu irgendeinem Gebilde zusammen.

Zugleich mit dem Material gibt er ganz sich selbst der Beschauung hin.-------

Mir hat immer geschienen, daß der Anblick, wie Johannes von Müller soumherwandert, reiset, schreibt nach Urkunden und Chroniken über die vater-ländischen Geschichten, wie er aufjauchzt über die zusammengebrachtenSchätze, wie er mit Begierde sich stürzt auf die Lettern, die Schriftzüge, umrasch von ihnen zu erfahren, durch welche Kunde sie die Vergangenheitmit der Gegenwart verbinden: oder, daß dieser Heißhunger nach Kenntnis fürjeden Menschen, welchem es mit irgendeinem Wissen Ernst für das Leben ist,etwas Großes und Herzerhebendes haben müsse. Anmutig ist es aber zugleich,Müller auf der Wanderung zum historischen Inhalt der Natur, der Sitten, derSagen und mündlichen Belehrungen zu sehen; denn sein Fleiß führt ihn zu vielSchönheit, Einfalt, Verständigkeit, und er genießt das Leben in der Fülle, indemselben Augenblick, da er sein Studium über das längst Verstorbene mitErfolg treibt.

Vom Luzernersee, im Augustmonat (1775), als der Jüngling mit drei schwarzenBauersfauen nach Brienz über einen eingeschlossenen See zwischen vieh-reichen Alpen geschifft, mit zwei Männern über den steilen Brünig, an denAbgründen der Aar, durch eine der wildesten Gegenden des Landes Unter-Walden, von acht Uhr des Abends bis ein Uhr des Morgens, nach Luzern ge-gangen war, schreibt er seinem Freunde Bonstetten:Alles, selbst des FührersErzählungen und die Nachrichten des Wirts, ist ebenso beachtenswert als wenigbeachtet. Der Nationalgeist ist nirgend so sichtbar, als in diesen Tälern,Wo die Einwohner Freudigkeit im Herzen und in der Miene tragen, singenu nd ihr Glück erkennen. Über den Bund mit Frankreich habe ich den Wirtvon Wyler und die Unterwaldner Hutmacher vernünftiger reden gehört,

a *s in einigen Orten die sogenannten Gelehrten."-------

ungemein reich war seine Ausbeute von Tatsachen und Begebenheiten, unddies verdanken wir seiner eigentümlichen kritischen Ansicht.

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