in reiner holder Einfalt uns anlachen und um und um vollendet in ihren zarten,lieblichen Konturen schweben und sich tief in unserer Seele einwohnen, umnimmer wieder von dort zu weichen. (Görres, Aurora, 1804.)
GOETHES GEISTESART
,,Wie lebhaft habe ich . . erfahren . . , daß es demVortrefflichen gegenüber keine Freiheit gibt als dieLiebe." (Schiller.)
Die neulichen Unterhaltungen mit Ihnen haben meine ganze Ideen-Massein Bewegung gebracht; denn sie betrafen einen Gegenstand, der mich seitetlichen Jahren lebhaft beschäftigt. Über so manches, worüber ich mit mirselbst nicht recht einig werden konnte, hat die Anschauung Ihres Geistes(denn so muß ich den Totaleindruck Ihrer Ideen auf mich nennen) ein un-erwartetes Licht in mir angesteckt. Mir fehlte das Objekt, der Körper, zumehreren spekulativischen Ideen, und Sie brachten mich auf die Spur davon.Ihr beobachtender Blick, der so still und rein auf den Dingen ruht, setztSie nie in Gefahr, auf den Abweg zu geraten, in den sowohl die Spekulation,als die willkürliche und bloß sich selbst gehorchende Einbildungskraft sich soleicht verirrt. In Ihrer richtigen Intuition liegt alles und weit vollständiger,was die Analysis mühsam sucht, und nur, weil es als ein Ganzes in Ihnen liegt,ist Ihnen Ihr eigener Reichtum verborgen, denn leider wissen wir nur das,Was wir scheiden. Geister Ihrer Art wissen daher selten, wie weit sie gedrungensind und wie wenig Ursache sie haben, von der Philosophie zu borgen, die nurvon ihnen lernen kann. Diese kann bloß zergliedern, was ihr gegeben wird,aber das Geben selbst ist nicht die Sache des Analytikers, sondern des Genies,Welches unter dem dunkeln, aber sichern Einfluß reiner Vernunft nach ob-jektiven Gesetzen verbindet.
Lange schon habe ich, obgleich aus ziemlicher Ferne, dem Gang Ihres Geisteszugesehen und den Weg, den Sie sich vorgezeichnet haben, mit immer er-neuerter Bewunderung bemerkt. Sie suchen das Notwendige der Natur, aberSie suchen es auf dem schwersten Wege, vor welchem jede schwächere Kraftsich wohl hüten wird. Sie nehmen die ganze Natur zusammen, um über dasEinzelne Licht zu bekommen, in der Allheit ihrer Erscheinungsarten suchenSie den Erklärungsgrund für das Individuum auf. Von der einfachen Organi-sation steigen Sie, Schritt vor Schritt, zu der mehr verwickelten hinauf, umer »dlich die verwickeltste von allen, den Menschen, genetisch aus den Mate-ri alien des ganzen Naturgebäudes zu erbauen. Dadurch, daß Sie ihn der NaturSieichsam nacherschaffen, suchen Sie in seine verborgene Technik einzu-bringen. Eine große und wahrhaft heldenmäßige Idee, die zur Genüge zeigt,*** sehr Ihr Geist das reiche Ganze seiner Vorstellungen in einer schönen^nheit zusammenhält. Sie können niemals gehofft haben, daß Ihr Leben2u einem solchen Ziel zureichen werde, aber einen solchen Weg auch nur ein-schlagen, ist mehr wert, als jeden andern zu endigen, — und Sie habenß e Wählt, wie Achill in der Ilias, zwischen Phthia und der Unsterblichkeit,^aren Sie als ein Grieche, ja nur als ein Italiener geboren worden, und hättes chon von der Wiege an eine auserlesene Natur und eine idealisierende Kunst
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