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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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Daher kommen die nackten Winteräste in seiner Prose, die Wiederkehr dernämlichen nur scharf umschnittenen Bilder, zum Beispiel der Auferstehungals eines Ährenfeldes. Gleichwohl wird dadurch nicht Klopstocks tonloserProse, welche der scharfe, aber tonvolle Prosaiker Lessing lobte, der Ruhmder hellsten Bestimmtheit und Darstellung verkleinert.

Die vollendete Prunk- und Glanzprose schreibt Schiller, was die Pracht derReflexion in Bildern, Fülle und Gegensätzen geben kann, gibt er, ja, oft spieleter auf den poetischen Saiten mit einer so reichen zu Juwelen versteinertenHand, daß der schwere Glanz, wenn nicht das Spielen, doch das Hören stört.Ich übergehe viele; denn kein Volk schrieb in einem und demselben Jahr-fünf zig eine solch vielgestaltige Proteus-Prose, als das deutsche. (Jean Paul,Vorschule der Ästhetik, 1804.)

DICHTERISCHE JAHRESZEITEN IN WEIMAR

Wie die Hören in der äußeren Natur immer eilend und tanzend ihren Reigenschlingen und auf und nieder schwebend die wechselnden Jahreszeiten vor-über führen und die fliehende Zeit in die Gemeinde ihrer mannigfaltigenProdukte fesseln, so auch in der inneren Welt des Genies, der Schönheit, desWissens und der Kraft. Sie glauben wunder was Kluges zu sagen, wenn siedem Genius vorrücken, die Zeit seiner Blüte sei vorüber, die innere treibendeWärme sei verglüht, sie treten vor den Herbst und schelten ihn, daß er nichtBlüten wie der Frühling treibt, und wenn dieser dann in der ganzen Fülleseines Reichtums aus dem Süden über ihre nackten Felder heraufgezogenkommt, dann finden sie ihn verschwenderisch und über die Maßen üppigund gar nicht auf den Nutzen. So haben sie es mit Goethe, so mit Schiller, somit Jean Paul gehalten. In Goethes Werken vor allem haben die Hören sicheinen schönen Kranz gewunden, und der Zyklus in dem Gemüte des Dichtershat sich lieblich in dem Kranze abgebildet. Eunomia hat Werthers Leidenhineingeflochten, da blüht der Frühling. Ein warmer, reicher, üppiger Maisteht in dem dichtenden Gemüte, ein heiterer, klarer Himmel ist in der Höheausgespannt, und in dem tiefen, unergründlichen Königsblau spiegelt sichdie Unendlichkeit des Gefühls.

Mit dem Tasso ist der Sommer in seiner ganzen Glut heraufgezogen, da leertIrene ihr reiches Füllhorn, da kulminiert des Dichters Kraft, und indemAntonios kalte Klarheit hineinschaut in die warme Dunstwelt des poetischenGemütes, wird der Luftkreis schwül und drückend und beengend, schwereGewölke ziehen auf am Horizont, umsonst sucht eine zarte weibliche Seeleden Kampf durch Liebreiz zu beschwichtigen, der Sturm naht, die Gewitterschlagen, und die phantastischen Formen werden zerrissen und wie ein Hagel-schlag auf die Erde herabgestürzt. Durch Hermann und Dorothea neigt sichder Sommer, die natürliche Tochter hat uns Dirce gespendet, mit ihr beginntder Herbst und öffnet uns die Aussicht auf eine reiche Lese wohlgereifterFrüchte. Aber durch den ganzen Zyklus laufen, wie warme italienische Tage,voll heiteren Sonnenscheins, von jenem milden violetten Dufte empfangen,diese unendlich gemütlichen, lieben Lieder, die wie antike geschnittene Steine

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