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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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geordnet hätte, welche sich zu jeder Handlung schickten und sich mit Zeitund Ort vertrugen. Allein er wollte jetzt einzelne Partien malen, und diesestehen zusammen, wie die Gemälde vieler großen Landschaftsmaler, ohne daßdie Galerie, worin sie sich befinden, gerade eine Epopöe ist.Daneben sollten diese Partien wahre einheimische Volksstücke sein. Er wähltedazu ritterliche, ländliche und bürgerliche Handlungen einer Zeit, worin dieNation noch Original war und der alte Ritter den jungen, wie der alte Kanzlerden jungen Kanzler ohne fremde gelehrte Hilfe erzogen hatte. (JustusMoser, Über die deutsche Sprache und Literatur, 1780.)

WIRKUNG DER ENGLISCHEN DÜSTERHEITAUF DIE JUNGEN DEUTSCHEN

Düstere Betrachtungen, welche denjenigen, der sich ihnen überläßt, ins Un-endliche führen, hätten sich in den Gemütern deutscher Jünglinge nicht soentschieden entwickeln können, hätte sie nicht eine äußere Veranlassungzu diesem traurigen Geschäft angeregt und gefördert. Es geschah diesesdurch die englische Literatur, besonders durch die poetische, deren großeVorzüge ein ernster Trübsinn begleitet, welchen sie einem jeden mitteilt,der sich mit ihr beschäftigt. Der geistreiche Brite sieht sich von Jugendauf von einer bedeutenden Welt umgeben, die alle seine Kräfte anregt. Erwird früher oder später gewahr, daß er allen seinen Verstand zusammennehmenmuß, um sich mit ihr abzufinden. Wie viele ihrer Dichter haben nicht inder Jugend ein loses und rauschendes Leben geführt und sich früh berechtigtgefunden, die irdischen Dinge der Eitelkeit anzuklagen! Wie viele derselbenhaben sich in den Weltgeschäften versucht und im Parlament, bei Hofe,im Ministerium, auf Gesandtschaftsposten teils die ersten, teils untere Rollengespielt und sich bei inneren Unruhen, Staats- und Regierungsveränderungenmitwirkend erwiesen und, wo nicht an sich selbst, doch an ihren Freundenund Gönnern öfter traurige als erfreuliche Erfahrungen gemacht! Wie vielesind verbannt, vertrieben, im Gefängnis gehalten, an ihren Gütern beschädigtWorden!

Aber auch nur Zuschauer von so großen Ereignissen zu sein, fordert den Men-schen zum Ernst auf, und wohin kann der Ernst weiter führen, als zur Be-trachtung der Vergänglichkeit und des Unwerts aller irdischen Dinge. Ernst-haft ist auch der Deutsche, und so war ihm die englische Poesie höchst ge-mäß, und weil sie sich aus einem höheren Zustande herschrieb, imposant.Man findet in ihr durchaus einen großen tüchtigen weltgeübten Verstand,e in tiefes, zartes Gemüt, ein vortreffliches Wollen, ein leidenschaftliches Wirken:die herrlichsten Eigenschaften, die man von geistreichen gebildeten Menschenf ühmen kann; aber das alles zusammengenommen macht noch keinen Poeten.Die wahre Poesie kündet sich dadurch an, daß sie, als ein weltliches Evan-gelium, durch innere Heiterkeit, durch äußeres Behagen, uns von den irdischenLasten zu befreien weiß, die auf uns drücken. Wie ein Luftballon hebt sie uns mitdem Ballast, der uns anhängt, in höhere Regionen und läßt die verwirrten* r rgänge der Erde in Vogelperspektive vor uns entwickelt daliegen. Die mun-

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