sollen; die höchste Vollkommenheit wird vielleicht durch längere Kulturkommen. Alles, was der König daran auszusetzen hat, besteht darin, daß eseine Frucht sei, die ihm den Gaumen zusammengezogen habe, und welche erauf seiner Tafel nicht verlange. Aber das entscheidet ihren Wert noch nicht.Der Zungen, welche an Ananas gewöhnt sind, wird hoffentlich in unseremVaterlande eine geringe Zahl sein, und wenn von einem Volksstücke dieRede ist, so muß man den Geschmack der Hofleute beiseite setzen. Derbeste Gesang für unsere Nation ist unstreitig ein Heldensang, der sie zurVerteidigung ihres Vaterlandes in die Schlacht singt; der beste Tanz, dersie auf die Batterie führt, und das beste Schauspiel, was ihnen hohen Mutgibt; nicht aber, was dem schwachen Ausschusse des Menschengeschlechtsseine leeren Stunden vertreibt oder das Herz einer Hofdame schmelzen
macht.--------
Die wahre Ursache, warum Deutschland nach den Zeiten der Minnesängerwieder versunken oder solange in der Kultur seiner Sprache und der schönenWissenschaften überhaupt zurückgeblieben ist, scheint mir hauptsächlichdarin zu liegen, daß wir immer von lateinisch gelehrten Männern erzogensind, die unsere einheimischen Früchte verachteten und lieber italienischeoder französische von mittelmäßiger Güte ziehen, als deutsche Art und Kunstzur Vollkommenheit bringen wollten, ohne zu bedenken, daß wir auf dieseWeise nichts hervorbringen könnten, was jenen gefallen und uns Ehre bringenwürde.
Sie zogen Zwergbäume und Spalierbäume und allerlei schöne Krüppel, diewir mit Strohmatten wider den Frost bedecken, mit Mauern an die Sonne zwin-gen oder mit kostbaren Treibhäusern beim Leben erhalten mußten. Undeinige unter uns waren töricht genug, zu glauben, daß wir diese unsere halb-reifen Früchte den Fremden, bei denen sie ursprünglich zu Hause sind, alsSeltenheiten zuschicken könnten, sie waren stolz genug, zu denken, daß dieItaliener mit uns in unsern in feuchter Luft gebauten Grotten schaudernwürden, sie, die Geßners Schäferhütte allen unseren Kostbarkeiten von dieserArt vorziehen.
Schön und groß aber können unsere Produkte werden, wenn wir auf den Grün-den fortbauen, welche Klopstock, Goethe und andere Neuere gelegt haben.Alle können zwar noch in der Wahl der Früchte, welche sie zu bauen versucht,gefehlt und das Gewählte nicht zur höchsten Vollkommenheit gebracht haben.Aber ihr Zweck ist die Veredlung einheimischer Produkte; und dieser verdientden dankbarsten Beifall der Nation, so wie er ihn auch wirklich erhielt.Goethens Absicht in seinem Götz von Berlichingen war gewiß, uns eine Samm-lung von Gemälden aus dem Nationalleben unserer Vorfahren zu geben unduns zu zeigen, was wir hätten und was wir könnten, wenn wir einmal der artigenKammer Jungfern und der witzigen Bedienten auf der französisch-deutschenBühne müde wären und, wie billig, Veränderung suchten. Leicht hätte erdieser seiner Sammlung mit Hilfe einer nun fast zum Ekel gebrauchten Liebes-geschichte das Verdienst der drei Einheiten geben und sie in eine Handlungflechten können, die sich angefangen, verwickelt und aufgelöst hätte, wenner aus dem einen Stücke drei gemacht und diejenigen Gemälde zusammen-
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