ohne einige bestimmte Aussicht, wohin er je kommen und wozu ihn das Glückbrauchen würde, strebt er schon mit dem edlen Stolze, mit dem unbefriedigten,aber auch unauslöschlichen Gefühl für Freiheit, Freundschaft, Einfaltund Sinn der Alten, er weiß selbst nicht wohin, er weiß selbst nicht wozu.Welch ein Haß und Abscheu, den er gegen die neuere Wortkrämerei, gegendie barbarischen, kriechend-stolzen und sich in satter Dummheit blähendenFakultäten- und Magisterkünste äußert! Wie will er lieber hungern, ja ver-hungern und umkommen, ehe er ihren löblichen Weg einschlage und sichdurch ein unsinniges Kathedergewäsch sein Brot erstehle 1 — Er dürstet nachdem gesunden Menschenverstand und simpeln Sinne der Alten, nach ihrereinfachen Art, des Lebens zu genießen und dasselbe rühmlich, zu einem edelnZwecke, doch etwas in der Welt ausgerichtet zu haben und nachzulassen ein
Denkmal seiner, so sein Leben zu gebrauchen.--------
Dieser Sinn und Geist für die Alten, auch im Gebrauch der Gelehrsamkeit undin der Anwendung seines Lebens, war Winckelmanns Wurzel, ,,der Punkt,wo er ausging und auf den er immer zurückkam". Er betrachtete sich alseinen Alten, der wie sie schreiben, leben und denken sollte.Ohne Zweifel gehört Winckelmanns Armut und Mäßigkeit, in der er sich dasAussehn eines griechischen Weisen zu geben wußte, auch hierher, leider dergewöhnliche Weg, wie, in Deutschland zumal, gute Leute werden müssen.Der arme Winckelmann muß als Konrektor in Seehausen und als Exzeptorzur Bünauischen Reichsgeschichte sich Stunden erarbeiten und erstehlen,damit er andren einst Augen gebe, Schätze zu genießen, die er selbst nicht be-saß, und für welche jene andre nur die Aufkäufer und Geldverschwender wer-den konnten. —■ —
Was wäre Winckelmann worden, wenn er sich von jeher zu dem Amt, wozuihn die Muse und nicht der Stadtrat in Seehausen oder der Graf Bünau berufenhatte, hätte üben können, wenn das Studium, worin er lebte, nicht etwa Trostder Stunden, die er sich zur Erholung von Sklavenarbeit erstehlen konnte,sondern Zweck des Lebens und frühe völlige Vorbereitung hätte werden dürfen?Was Winckelmann nicht aus Deutschland brachte an solchen Vorerkennt-nissen, lernte er in Rom nicht oder äußerst schwerlich und nachteilig; dieMängel, die Folgen dieser frühen und langen Notdurft waren, blieben an ihmund sind in seinen Schriften sichtbar. Deutschland hat diese nur als Almose,als milde Gabe anzusehen, die Winckelmann ihm gab, und dazu es selbst nichtsverdient hatte; es ist aber gewohnt, die besten Sachen so anzunehmen, unddann ist etwa noch dies Annehmen, dies Geschehenlassen, Weisheit und
Gnade------------. „Nichts und die liebe Dürftigkeit ist der Punkt, von dem der
Literator, das Genie, der Mann von Talent und Fleiße ausgeht, und oft der-selbe Punkt, wohin er am Ende wieder gelangt", wenn er nicht Nebendingenals dem Hauptwerk fröhnt.
Winckelmann, der Ruhm der Deutschen selbst unter dem römischen Himmel»den die Muse des Altertums und der Geschichte, die unsterbliche Clio hatlassen geboren werden, um die Kunst der Alten zu erklären. Ich führe es nichtan, wie er die besten Blüten jeder antiken Schönheit in seine Seele gesammelt;
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