aus seinem kindischen Gelall weit besser herausfinden, als aus den kunst-mäßigen Nachbildungen der übrigen. — Ein Buch, woran er sich nie sattlesen konnte und welches er beinahe jährlich einmal las, war Don Quixotte.Die Grundlage seines sittlichen Charakters war eine seltene Herzensgüte und einfroher, heitrer, zufriedner Sinn, der sich in jeder Lage gefiel und von allemdas Gute und Genießbare aushob. Er nahm herzlichen Anteil an fremdemGlücke, freute sich immer, etwas dazu beizutragen, interessierte sich lebhaftfür alles Schöne und Gute, half gerne dem aufkeimenden Genie empor, er-munterte es durch seinen Beifall, leitete es durch seinen Rat und unterstütztees durch seinen Einfluß. — In frühern Jahren war sein Geschmack in der Wahlseiner Gesellschafter ausschließender. Er lebte beinahe einzig sich selbstund den Musen, suchte und liebte keinen Umgang, als mit Männern vonKenntnissen, Talenten und aufgeklärter Denkensart, oder mit Frauenzimmernvon Geist, Geschmack und einer feinern Ausbildung. Wenn ihn Zufall oderVerhältnisse in eine Gesellschaft von alltäglichen Menschen geführt hatten,so war er seiner selbst nicht genug Meister, um sein Mißbehagen und diedrückende Langeweile zu verbergen. Allmählich lernte er immer mehr, sichmit allen Klassen von Menschen vertragen und aus jeder Lage Genuß zuziehen. Er trieb sich willig in dem engen Ideenkreise des eingeschränktestenKopfes herum, sprach seine Sprache, nur mit festerer Wahl und Bestimmtheit,verfolgte getreu den Faden einer noch so wenig interessanten Unterredungund reihte oft unversehens daran eine köstliche Perle. Der Mitsprechendefreute sich allemal einer solchen Entdeckung, die er wenigstens veranlaßtzu haben wähnte, und wußte sich selbst nicht zu erklären, wie es zuging, daßer sich nie klüger vorkam, als wenn er mit Geßner sich unterhielt.Das größte Behagen fand er an den Gesprächen der treuherzigen Ehrlichkeitoder an dem süßen Geschwätze kindischer Einfalt und Unschuld. (J. J. Hot-tinger, Salomon Geßner, 1796.)
SCHWERER DURCHBRUCH WINCKELMANNS
Öie ersten Lebensjahre Winkelmanns sind wie der Strom, der aus einer un-scheinbaren, verborgenen Quelle lange unter der Erde oder in engen Tälernließet, sich windet, hie und da durchbrechen will, aber noch an unrechterStelle, damit aber immer seine strebende Kraft, seinen innern Reichtum mehrt unde ndlich hervorgeht, um mit Pracht und Fülle, aber kurz und nur wenigeStadien in seinem Laufe, das Meer zu füllen. — Aus solchen verborgnen An-fangs-, Mühe- und Übungsjahren hat nur der Genius, der sie durchlebt hat,Macht und Erlaubnis, etwas zu verraten. Ein Fremder schnappt etwas auf,^as er vielleicht nicht halb, nicht ganz versteht, staunt an, was sehr gemeinlst , und geht da vielleicht verächtlich vorüber, woraus der Lebende am meistens aft und Kraft ziehen mußte. Die wenigen Briefe, die wir von WinckelmannSelbst aus dieser periodo dbnXijj, aus diesem ersten dunklen Zeitalter, nach seinem^°de erhalten haben, und die er gewiß nicht schrieb, daß sie je bekannt würden,s »id die sichersten Wegweiserinnen, „von welchem Punkt er von jeher aus-sog und wohin er strebte". In seiner verschämtesten Armut und Niedrigkeit,
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