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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Räuspern und Husten stört allen Fluß der Rede; jeder Satz steht vereinzeltda und kommt mit Anstrengung zerstückt und durcheinandergeworfen heraus;jedes Wort, jede Silbe löst sich nur widerwillig los, um von der metall-leerenStimme in schwäbisch breitem Dialekt, als sei jedes das Wichtigste, einenwundersam gründlichen Nachdruck zu erhalten." So schildert ihn einer seinerergebensten Schüler, Hotho. Und selbst er kann nicht umhin, auf die Schwie-rigkeit, dem Meister zu folgen, hinzuweisen, die nicht bloß in der Tiefe seinerIdeen, sondern in der Umständlichkeit seines Vortrages bestanden habe, dergerade im Faßlichsten schwerfällig und ermüdend gewesen sei. Dazwischenseien dann freilich wieder Momente gewesen, wo er die Hörer in die Abgründedes Denkens und aus ihnen heraus zur höchsten Erkenntnis geführt habe.In den Tiefen des anscheinend Unentzifferbaren", schreibt Hotho,wühlteund webte jener große Geist mit großartig selbstgewisser Behaglichkeit undRuhe. Dann erst erhob sich die Stimme und das Auge blitzte scharf über dieVersammelten hin und leuchtete im still auflodernden Feuer seines über-zeugungstiefen Glanzes, während er in nie mangelnden Worten durch alleHöhen und Tiefen der Seele griff." Aber nicht auf jeden seiner Zuhörer machteder Philosoph einen so erschütternden Eindruck. Der Zeit seines Lebenskeck urteilende Karl Hase, der bei seinem Besuch in Berlin einmal bei ihmhospitierte, fand seinen Vortrag in dem schwäbischen Dialektstockend undwasserfallartig". Buschmann, später der Mitarbeiter beider Humboldts, fandihn ungenießbar; und auch Rosenkranz, der im Sommer 1824 nach Berlinkam, ohne von Hegel bisher mehr als den Namen gehört zu haben, und sichdurch Henning in die neue Philosophie einführen ließ, konnte sich in Hegel,bei dem er nur einige Male hospitierte, gar nicht hineinfinden und wandte sichvon dem Meister hinweg zu Schleiermacher und seiner Theologie. Wenn nunaber dieser Treueste der Treuen offen eingesteht, daß er, auch abgesehen vondem Abschreckenden alles Äußerlichen, den Gedanken des großen Philosophennicht habe folgen können, so werden wir ohne weiteres sagen dürfen, daß esder Masse seiner Hörer nicht besser ergangen ist und daß ihrer Bewunderungfür die abgrundgleichen Tiefen seiner Philosophie das Verständnis nicht ent-sprochen hat.

Aber alle diese Unebenheiten und Anstöße verschwanden vor einer Eigen-schaft des neuen Professors: der unbedingten Sicherheit, mit der er sein Systemvortrug, in dem es kein Fragezeichen gab und Natur und Geschichte, Politikund Religion, Recht und Sitte, Physik und Metaphysik bis in ihre letztenWinkel lückenlos aufgehellt schienen. Denn damit gab er dem jungen Ge-schlecht, wonach es dürstete und was ihm in den Kämpfen, in die es die Zeithineingerissen, zu entschwinden drohte: die Gewißheit. Zwar versprochenhatten diese alle Philosophen. Sie alle wollten den Abgrund, der sich aufge-tan und den sie immer nur erweiterten, schließen oder doch überbrücken,mit Hilfe eben der Begriffswelt, welche sie an Stelle der überlieferten Vorstel-lungen setzten. Auf verschiedenen Wegen hatten sie hiernach gestrebt;Schulen auf Schulen waren einander gefolgt; ein jeder ihrer Meister hatteeine Zeitlang geherrscht und sich Ruhm erworben. Aber über ein paar Jahrehatte niemand hinausgereicht, und zu jeder Zeit hatte es Zweifler und Kri-

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