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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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PHILOSOPHISCHER DIENST AM BILD DES GROSSEN MANNES

Hegel nahm sich selbst als das Bewußtsein, als die Sinneinsicht des wesenden,entwickelten und erscheinenden Weltgeistes, und räumte auf mit den Parti-kularitäten des bloßen Gefühls oder Verstandes. Die Ideale und Motive, diebisher als Richter der Geschichte gewaltet, Moral oder Politik, Religion oderBildung, zog er selbst in die sich verwirklichende eine Vernunft herein und wiesihnen ihren Platz und Dienst darin zu. Die Geschichte ist für ihn die Selbst-darstellung des Geistes in der Zeit. Also nicht dem Nutzen und Genuß wech-selnder Menschen, noch dem Willen eines persönlichen Gottes haben die ge-schichtlichen Wesen gelebt: sie sind ihr eigener Wert, doch empfangen sieihren Sinn wie Grund aus dem Ganzen, das in ihnen wirkt und das sie auswir-ken. Weder sind sie Einzelbilder zum Staunen oder Kritteln, noch sind sieMittel für irdische oder himmlische Bedürfnisse und Zwecke weder bloßePersonen noch bloße Werke, sondern geistige Wesenheiten, die durch ihr So-und Nichtanderssein, durch ihren bestimmten Charakter mit eben den undden Eigenschaften, in einer ganz besonderen Stunde und Stelle eine einmaligeLeistung vollbringen als Sinnträger, Werkführer und Erscheinungsformen desWeltgeistes.

Hegel sichert ihre Person gegen die Ansprüche der Theologie, die den Menschenvernichtigt vor Gott, und gegen die Ansprüche der Soziologie, die ihn nur nutzenwill für die Gesellschaft. Er sichert ihr Werk gegen die Ansprüche des ästhe-tisch-romantischen Seelenkults, er sichert Person und Werk gegen die An-sprüche der Sittenrichter und Menschheitsschwärmer. Er hebt die Sonderungvon Gotteinem und Geschichtsvielem auf mit der Auswirkung des Gottsinnesin erscheinender Vielfalt. Er hebt den Zwist zwischen Einzelnem und Gesamt-heit auf, indem er beide zurückführt in den einen Geist als dessen gemeinsameuntrennbare Funktionen. Und er hebt die Scheidung von Person und Werkauf, indem er die Person nicht mehr als partikuläre Seele, das Werk nichtmehr als partikuläre Sache zeigt, sondern das Werk als die Form eben dieserPerson, die Person als den Gehalt eben dieses Werks, beide als Träger des einenalldurchschreitenden Sinns. (Friedrich Gundolf, Cäsar im neunzehnten Jahr-hundert, 1926.)

DAS LETZTE SYSTEM DER PHILOSOPHISCHEN GEWISSHEIT

In dem äußeren Auftreten Hegels lag nichts, was seinen Erfolg hätte recht-fertigen können. Sein Vortrag hatte weder rhetorischen Glanz noch das Im-peratorische, was Fichte in Haltung und Sprache gezeigt, noch selbst dieStraffheit der Disposition oder das sittliche Pathos, wie es die Berliner Studen-tenschaft bei Hegels Vorgänger gewohnt gewesen war; nichts, womit er dieGemüter unmittelbar hätte fortreißen können. Es war, als ob er geflissentlichalles, was durch äußerlichen Eindruck hätte fesseln können, vermeiden wollte.>>Abgespannt und grämlich sitzt er auf seinem Lehrstuhl, mit niedergebück-tem Kopf: in sich zusammengefallen. Immerfort sprechend blättert und suchte r in den langen Folioheften vorwärts und rückwärts, unten und oben; das stete

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