nerung und Schwingungsweite in den theoretischen beweisen, daß nur dieDurchdringbarkeit durch das logische Denken für ihn entscheidet, was in seinphilosophisches Denken eintreten darf. (Georg Simmel, Kant, 1904.)
FICHTES ERWECKUNG DURCH KANT
Anfangs tritt mehr noch ein unbestimmter Drang hervor, überhaupt nur zuwirken nach außen hin, und je höher die Sphäre des Lebens, desto glänzen-dere und kräftigere Wirksamkeit glaubt er sich zu erringen. Menschenkenntnisund Selbstbildung durch mannigfachsten Umgang schien ihm daher vor allemwichtig, weil es an dieser, wie er glaubte, bisher vorzüglich ihm gefehlt hätte.Aber wofür dies alles, zu welchem höchsten und letzten Ziele? — Dies fehlteeben noch: die gewaltigen Kräfte, welche in ihm lagen, hatten noch nicht ihrenrechten Mittelpunkt, das Bewußtsein ihrer eigentlichen Bestimmung gefunden:und diese Klarheit über das innere Lebensziel, die allein erst die treibende Un-ruhe des Geistes beschwichtigt und entscheidet, so daß der Mensch von nunan weiß, was er soll und was er will, konnte ihm auch äußerlich erst die festeRichtung geben. Daher seine geteilten Vorsätze und wechselnden Pläne, wiesie sich noch bis zu seiner Rückkehr nach Leipzig zeigen. Aber keiner der-selben gelang in dem Maße, um ihn ganz zu beschäftigen und zu erfüllen,während alles, was sein Trieb nach außen, seine höheren Ansprüche an dasLeben begehrten, mißriet. So wurde er immer mehr auf sich selbst zurück-gewiesen, um da, in seinem Innern, den verworrenen Knoten zu lösen. Daßdies bei ihm nur durch theoretische Klarheit, durch deutliches Erfassen desganzen Lebens aus einem Prinzipe möglich war, versteht sich; und so kames denn immer wieder auf die philosophische oder sittlich religiöse Weltansichtan, die er sich erwerben würde. In dieser vielfachen Unsicherheit des Lebens,wie der Theorie, lernte er scheinbar durch Zufall, wie er erzählt, die KantschePhilosophie kennen; und hiermit entschied sich alles in ihm und außer ihm:denn wie sie seinen Geist ergriff und zu Einigkeit und Klarheit brachte, sogelangte er durch sie auch über seinen äußeren Beruf zur völligen Entschieden-heit. Er faßte sie von der würdigsten Seite, wie nur ein kräftiger Charaktersie ergreifen konnte, von der Seite ihres Moralprinzips, aber hierin auch miteiner Strenge, wie sie fast noch von keinem der bisherigen Anhänger war dar-gestellt worden. Das Bewußtsein der absoluten Freiheit des Ich, das an seinemWillen die Macht der ganzen Welt sich brechen sieht, diese daher das Ur-anfängliche jeder wahrhaften Tat; an den Willen aber gerichtet ein absolutesGebot, das nun allmächtig herrschend über jede Neigung und Leidenschaft,völlige Einheit und Gleichmaß dem Gemüte verleiht: — eine solche Theoriemit der Kraft ihrer sittlichen Weltansicht hatte als Lehre bisher ihm gefehlt,während sein Charakter halb unbewußt sich ihr zuneigte. Indem aber dieKantsche Philosophie alle übrige vermeintliche Objektivität zur bloßen Er-scheinung verflüchtigte und so als einzig Reales eigentlich nur die Freiheit desIch übrigließ, so wurde gerade dieser Begriff von Fichte späterhin nicht nurzum Prinzip der Moral, sondern zum Mittelpunkte der ganzen theoretischenPhilosophie gemacht. (J. H. Fichte, Johann Gottlieb Fichtes Leben, 1830.)
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