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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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was ich auf andre meiner Zeit angemessenere Beweise glauben kann: woranliegt es?

Daran liegt es: daß dieser Beweis des Geistes und der Kraft jetzt weder Geistnoch Kraft mehr hat, sondern zu menschlichen Zeugnissen von Geist und Kraftherabgesunken ist.

Daran liegt es: daß Nachrichten von erfüllten Weissagungen nicht erfüllteWeissagungen; daß Nachrichten von Wundern nicht Wunder sind. Diese, dievor meinen Augen erfüllten Weissagungen, die vor meinen Augen geschehenenWunder wirken unmittelbar. Jene aber, die Nachrichten von erfülltenWeissagungen und Wundern, sollen durch ein Medium wirken, das ihnen alleKraft benimmt.

Den Origenes anführen und ihn sagen lassen,daß der Beweis der Kraft wegender erstaunlichen Wunder so heiße, die zur Bestätigung der Lehre Christi ge-schehen", ist nicht allzu wohl getan, wenn man das, was unmittelbar bei demOrigenes darauf folgt, seinen Lesern verschweigt. Denn die Leser werden denOrigines auch aufschlagen und mit Befremden finden, daß er die Wahrheitjener bei der Grundlegung des Christentums geschehenen Wunder eic ttoMuuv|uev ä\\wv und also aus der Erzählung der Evangelisten wohl mit, aber dochvornehmlich und namentlich aus den Wundern erweiset, die noch damalsgeschahen.

Wenn nun dieser Beweis des Beweises jetzt gänzlich weggefallen; wenn nunalle historische Gewißheit viel zu schwach ist, diesen weggefallenen augen-scheinlichen Beweis des Beweises zu ersetzen: wie ist mir denn zuzumuten,daß ich die nämlichen unbegreiflichen Wahrheiten, welche Leute vor sechzehn-bis achtzehnhundert Jahren auf die kräftigste Veranlassung glaubten, auf eineunendlich mindere Veranlassung ebenso kräftig glauben soll?Oder ist, ohne Ausnahme, was ich bei glaubwürdigen Geschichtschreibernlese, für mich ebenso gewiß, als was ich selbst erfahre?

Das wüßte ich nicht, daß es jemals ein Mensch behauptet hätte: sondern manbehauptet nur, daß die Nachrichten, die wir von jenen Weissagungen und Wun-dern haben, ebenso zuverlässig sind, als nur immer historische Wahrheitensein können. Und freilich, fügt man hinzu, könnten historische Wahrheitennicht demonstriert werden; aber dem ohngeachtet müsse man sie ebenso festglauben, als demonstrierte Wahrheiten.

Hierauf nun antworte ich. Erstlich; wer leugnet es ich nicht, daß dieNachrichten von jenen Wundern und Weissagungen ebenso zuverlässig sind,als nur immer historische Wahrheiten sein können? Aber nun: wenn sie nurebenso zuverlässig sind, warum macht man sie bei dem Gebrauche auf einmalunendlich zuverlässiger ?

Und wodurch? Dadurch, daß man ganz andere und mehrere Dinge auf siebauet, als man auf historisch erwiesene Wahrheiten zu bauen befugt ist.Wenn keine historische Wahrheit demonstriert werden kann, so kann auchnichts durch historische Wahrheiten demonstriert werden.Das ist: zufällige Geschichtswahrheiten können der Beweis von notwendigenVernunftwahrheiten nie werden.Ich leugne also gar nicht, daß in Christo Weissagungen erfüllet worden; ich

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