leugne gar nicht, daß Christus Wunder getan: sondern ich leugne, daß dieseWunder, seitdem ihre Wahrheit völlig aufgehört hat, durch noch gegenwärtiggangbare Wunder erwiesen zu werden; seitdem sie nichts als Nachrichten vonWundern sind (mögen doch diese Nachrichten so unwidersprochen, so un-widersprechlich sein, als sie immer wollen), mich zu dem geringsten Glaubenan Christi anderweitige Lehren verbinden können und dürfen. Diese ander-weitigen Lehren nehme ich aus anderweitigen Gründen an.Denn zweitens: was heißt einen historischen Satz für wahr halten? eine histo-rische Wahrheit glauben? Heißt es im geringsten etwas anderes, als diesenSatz, diese Wahrheit gelten lassen, nichts dawider einzuwenden haben, sichgefallen lassen, daß ein andrer einen andern historischen Satz darauf bauet,eine andre historische Wahrheit daraus folgert, sich selbst vorbehalten, anderehistorische Dinge darnach zu schätzen? Heißt es im geringsten etwas anderes,etwas mehr? Man prüfe sich genau!
Wir alle glauben, daß ein Alexander gelebt hat, welcher in kurzer Zeit fastganz Asien besiegte. Aber wer wollte auf diesen Glauben hin etwas von großemdauerhaften Belange, dessen Verlust nicht zu ersetzen wäre, wagen? WerWollte, diesem Glauben zur Folge, aller Kenntnis auf ewig abschwören, dienüt diesem Glauben stritte? Ich wahrlich nicht. Ich habe jetzt gegen denAlexander und seine Siege nichts einzuwenden: aber es wäre doch möglich,daß sie sich ebensowohl auf ein bloßes Gedicht des Choerilus, welcher denAlexander überall begleitete, gründeten, als die zehnjährige Belagerung vonTroja sich auf weiter nichts, als auf die Gedichte des Homers gründet.Wenn ich folglich historisch nichts dawider einzuwenden habe, daß Christuse inen Toten erweckt: muß ich darum für wahr halten, daß Gott einen Sohn habe,der mit ihm gleiches Wesens sei? In welcher Verbindung steht mein Unver-mögen, gegen die Zeugnisse von jenem etwas Erhebliches einzuwenden, mit mei-ner Verbindlichkeit, etwas zu glauben, wogegen sich meine Vernunft sträubet?Wenn ich historisch nichts dawider einzuwenden habe, daß dieser ChristusSelbst von dem Tode auferstanden: muß ich darum für wahr halten, daß ebendieser auferstandene Christus der Sohn Gottes gewesen sei?^aß dieser Christus, gegen dessen Auferstehung ich nichts Historisches vonWichtigkeit einwenden kann, sich deswegen für den Sohn Gottes ausgegeben,daß ihn seine Jünger deswegen dafür gehalten, das glaube ich herzlich gern,^enn diese Wahrheiten, als Wahrheiten einer und eben derselben Klasse,'°lgen ganz natürlich aus einander.
Aber nun mit jener historischen Wahrheit in eine ganz andere Klasse vonWahrheiten herüberspringen und von mir verlangen, daß ich alle meine meta-physischen und moralischen Begriffe danach umbilden soll; mir zumuten, weillc h der Auferstehung Christi kein glaubwürdiges Zeugnis entgegensetzen^ann, alle meine Grundideen von dem Wesen der Gottheit danach abzuändern:^enn das nicht eine neraßamc; dq d\\o ftvoq ist, so weiß ich nicht, was^ristoteles sonst unter dieser Benennung verstanden.
"an sagt freilich: aber eben der Christus, von dem du historisch mußt geltenas sen, daß er Tote erweckt, daß er selbst vom Tode erstanden, hat es selbst& e sagt, daß Gott einen Sohn gleichen Wesens habe, und daß er dieser Sohn sei.
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