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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
Seite
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wenn es unnütz, ja schädlich wäre. Wie vorurteilsfrei setzt der Verfasser dieVerhältnisse der Stände auseinander, so wie den Bezug, in welchem die Städte,Flecken und Dörfer wechselseitig stehn. Man erfährt ihre Gerechtsame zu-gleich mit den rechtlichen Gründen, es wird uns bekannt, wo das Grundkapitaldes Staats liegt und was es für Interessen bringt. Wir sehen den Besitz undseine Vorteile, dagegen aber auch die Abgaben und Nachteile verschiedenerArt, sodann den mannigfaltigen Erwerb; hier wird gleichfalls die ältere undneuere Zeit einander entgegengesetzt.

Osnabrück, als Glied der Hanse, finden wir in der altern Epoche in großerHandelstätigkeit. Nach jenen Zeitverhältnissen hat es eine merkwürdige undschöne Lage; es kann sich die Produkte des Landes zueignen und ist nichtallzu weit von der See entfernt, um auch dort selbst mitzuwirken. Nun aber,in der spätem Zeit, liegt es schon tief in der Mitte des Landes, es wird nach undnach vom Seehandel entfernt und ausgeschlossen. Wie dies zugegangen, wirdvon vielen Seiten dargestellt. Zur Sprache kommt der Konflikt Englandsund der Küsten, der Häfen und des Mittellandes; hier werden die großen Vor-teile derer, welche der See anwohnen, herausgesetzt und ernstliche Vorschlägegetan, wie die Bewohner des Mittellandes sich dieselben gleichfalls zueignenkönnten. Sodann erfahren wir gar manches von Gewerben und Handwerkenund wie solche durch Fabriken überflügelt, durch Kramerei untergrabenwerden; wir sehen den Verfall als den Erfolg von mancherlei Ursachen unddiesen Erfolg wieder als die Ursache neuen Verfalls, in einem ewigen schwer zulösenden Zirkel; doch zeichnet ihn der wackere Staatsbürger auf eine so deut-liche Weise hin, daß man noch glaubt, sich daraus retten zu können. Durch-aus läßtd er Verfasser die gründliche Einsicht in die besondersten Umständesehen. Seine Vorschläge, sein Rat, nichts ist aus der Luft gegriffen und dochso oft nicht ausführbar, deswegen er auch die SammlungPatriotische Phan-tasien" genannt, obgleich alles sich darin an das Wirkliche und Mögliche hält.Da nun aber alles öffentliche auf dem Familienwesen ruht, so wendet er auchdahin vorzüglich seinen Blick. Als Gegenstände seiner ernsten und scherz-haften Betrachtungen finden wir die Veränderung der Sitten und Gewohnheiten,der Kleidungen, der Diät, des häuslichen Lebens, der Erziehung. Man müßteeben alles, was in der bürgerlichen und sittlichen Welt vorgeht, rubrizieren,wenn man die Gegenstände erschöpfen wollte, die er behandelt. Und dieseBehandlung ist bewunderungswürdig. Ein vollkommener Geschäftsmannspricht zum Volke in Wochenblättern, um dasjenige, was eine einsichtige, wohl-wollende Regierung sich vornimmt oder ausführt, einem jeden von der rechtenSeite faßlich zu machen; keineswegs aber lehrhaft, sondern in den mannig-faltigsten Formen, die man poetisch nennen könnte und die gewiß in dem bestenSinn für rhetorisch gelten müssen. Immer ist er über seinen Gegenstand er*haben und weiß uns eine heitere Ansicht des Ernstesten zu geben; bald hinterdieser, bald hinter jener Maske halb versteckt, bald in eigner Person sprechend,immer vollständig und erschöpfend, dabei immer froh, mehr oder wenigerironisch, durchaus tüchtig, rechtschaffen, wohlmeinend, ja manchmal derbund heftig, und dieses alles so abgemessen, daß man zugleich den Geist, denVerstand, die Leichtigkeit, Gewandtheit, den Geschmack und Charakter des

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