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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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philosophische Sprache ist, seitdem sie aus Leibnizens und Wolfens Händenkam, unendlich empfänglicher und fähiger geworden, alles zu bestimmen unddeutlich zu ordnen; und unser historischer Stil hat sich in dem Verhältnis ge-bessert, als sich der preußische Name ausgezeichnet und uns unsere eigene Ge-schichte wichtiger und werter gemacht hat. Wenn wir erst mehr National-interesse erhalten, werden wir die Begebenheiten auch mächtiger empfinden

und fruchtbarer ausdrücken.--------

Alle diese glücklichen Veränderungen sind aber während der Regierung desKönigs vorgefallen, wie er schon seinen Vorgeschmack nach den besserenMustern anderer Nationen gebildet hatte, und in unserer Sprache vielleichtnur Memorialien und Dekrete zu lesen bekam. Er hatte nachher Voltaireum sich, einen Mann, der durch die Großheit seiner Empfindungen undseiner Manier alles um sich herum und seine eigenen Fehler verdunkelte,er liebte Algarotti, den feinsten und nettesten Denker seiner Zeit; er zogdie wenigen großen Leute, welche Frankreich hatte, an sich, und unter dendeutschen Gelehrten fand sich noch kein Dalberg, kein Fürstenberg, der aufdie Ehre, welche er dem ausländischen Verdienste gab, Anspruch machenkonnte. Hierzu kommt, daß seine Gedanken über die deutsche Literaturund Sprache wahrscheinlich weit früher niedergeschrieben als gedruckt sind;und so ist es kein Wunder, wenn sie unserer neuen Literatur keine Gerechtig-keit haben widerfahren lassen.

Und doch glaube ich nicht zuviel zu wagen, wenn ich behaupte, daß der Königselbst da, wo er sich als Deutscher zeigte, wo Kopf und Herz zu großen Zweckenmächtig und dauerhaft arbeiten, größer ist, als wo er mit den Ausländernum den Preis in ihren Künsten wetteifert. In seinerInstruction pourses g6-neraux" ist er mir wenigstens mehr als Cäsar, durch den Geist und die Ordnung,Womit er viele verwickelte Fälle auf wenige einfache Regeln zurückbringt; inseinen vertrauten Briefen, die er bei schweren Vorfällen geschrieben hat, findeich deutsche Kraft und Dauer: in seiner Abhandlung über die Vaterlandsliebeden systematischen Geist der Deutschen, und in seinen Gedanken über unsereLiteratur ein edles deutsches Herz, das nicht spotten, sondern wirklich nützenUnd bessern will. Dahingegen, wo es auf Verzierungen ankommt, sehe ichWi seinen Schriften oft die Manier des fremden Meisters, und es geht mir, alse inem Deutschen, nahe, ihn, der in allem Übrigen ihr Meister ist und auch indeutscher Art und Kunst unser aller Meister sein könnte, hinter Voltairen zue rblicken. (Justus Moser, Über die deutsche Sprache und Literatur, 1780.)

AUFGEKLÄRTER PATRIOTISMUS: JUSTUS MOSER

An diesen (Mosers) kleinen Aufsätzen, welche sämtlich in Einem Sinne verfaßte in wahrhaft Ganzes ausmachen, ist die innigste Kenntnis des bürgerlichenWesens im höchsten Grade merkwürdig und rühmenswert. Wir sehen eine Ver-fassung auf der Vergangenheit ruhn und noch als lebendig bestehn. Von derei nen Seite hält man am Herkommen fest, von der andern kann man die Be-legung und Veränderung der Dinge nicht hindern. Hier fürchtet man sich vorei ner nützlichen Neuerung, dort hat man Lust und Freude am Neuen, auch

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