keit sei seine Gabe, die wolle und müsse er auf seiner Stelle ausbilden, anwendenund gebrauchen".
Fast unglaublich ists auch, wie weit er in diesen Punkten nicht etwa nurVoltairen, sondern auch seinen sämtlichen korrespondierenden Freunden über-legen ist. Wenige, aber große Grundsätze liegen als unerschütterliche Funda-mente in seiner Seele; wenige, aber feste Maximen sind seine treuen Gefährten,auf die er zuletzt, und als König oft mit sehr leichter Mühe, alles zurückführt.Einige derselben wollten ihm im Siebenjährigen Kriege zuweilen untreu wer-den; er nimmt aber seine große Seele zusammen und verbeißt die verachtendeBitterkeit, mit der er insonderheit die Regierungen der Welt, ihre Unter-händler und Werkzeuge, wohl auch den größeren Teil des menschlichen Ge-schlechts ansieht. Ganz scheint er indessen von dieser zu langen und großenÜberanstrengung sich nie wieder erholt zu haben; sein Geist kehrte, nach Endi-gung des Siebenjährigen Krieges, zu seinen früheren Vergnügungen zwarzurück, war heiter, fest und wirksam; aber er blieb strenger und ernster. MitBewunderung habe ich (wenige Vorurteile ausgenommen) die fast allgemeineBilligkeit, Mäßigung und Enthaltsamkeit des großen Königs in seinen Ur-teilen von Sachen, Begebenheiten und Personen mir ausgezeichnet. Es wareine selbständige große Seele.
Und daß sein Herz den Empfindungen der Humanität, der Freundschaft, derBruder- und Schwesterliebe, dem Zuge zu allem Großen und Guten, nicht ver-schlossen gewesen, zeigen hundert Stellen seiner Schriften, tausend Momenteseines Lebens. In jüngeren Jahren hatte er einen Brief über die Humanitätgeschrieben, von dem er viel zu halten scheint, den ich aber in seinen Schriftennicht finde; er sagt von ihm:
,,Es scheint, man stärke sich in einer Gesinnung, wenn man seinem Geist alleGründe vorhält, die sie unterstützen. Und dies bestimmte mich, über dieHumanität zu schreiben. Sie ist nach meiner Meinung die einzige Tugendund soll insonderheit denen als Eigentum zugehören, die ihr Stand in der Weltunterscheidet. Ein Landesherr, er sei groß oder klein, soll als ein Mensch an-gesehen werden, dessen Beruf es ist, menschlichem Elende abzuhelfen, so vieler kann; er ist ein Arzt, die mancherlei Unfälle seiner Untertanen zu heilen.Die Stimme der Unglücklichen, das Seufzen der Elenden soll zu ihm gelangen.Sei es aus Mitleid mit ihnen oder aus einer Rückkehr des Gedankens auf ihnselbst, so muß ihn die traurige Lage der Leidenden rühren, und wenn sein Herzirgend Empfindung hat, werden sie Hilfe bei ihm finden.Ein Fürst ist gegen sein Volk, was das Herz dem Körper ist. Dies empfängt dasßlut aus allen Gliedern und stößt es mit Gewalt bis an ihre äußersten Endenzurück. Der Fürst empfängt die Treue und den Gehorsam seiner Untertanen;e r gibt ihnen Überfluß, Glückseligkeit, Ruhe und was er irgend zum Wachs-tum und zum Wohl der Gesellschaft tun kann, wieder.
^ies sind Maximen, die im Herzen jedes Menschen von selbst entspringenFüssen; das Gefühl gibt sie, wenn man nur etwas nachdenkt; man hat keinengroßen Kursus der Moral nötig, um sie zu lernen.
Tyrannen betrachten die Sache anders. Sie sehen die Welt als für sie geschaffena n; und um über gewisse gewöhnliche Unglücksfälle erhoben zu sein, ver-
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