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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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seinen Schriften erkennen wir die mittelbaren Einwirkungen des Lebens.Die Theologie war für ihn nicht bloß eine Wissenschaft. Ebenso die Politik.Auch diese lernte er in der Praxis kennen. Der Vater seiner Geliebten wurdewegen politischer Vergehen in den Niederlanden gehenkt. Ich bin überzeugt,daß Benedikt Spinoza über die Hinrichtung des alten Van Ende sehr vielnachgedacht hat, und so, wie er früher die Religion mit ihren Dolchen be-griffen, so begriff er auch jetzt die Politik mit ihren Stricken. Kunde davongibt seinTractatus politicus."

Ich habe nur die Art und Weise hervorzuheben, wie die Philosophen mehroder minder miteinander verwandt sind, und ich zeige nur die Verwandt-schaftsgrade und die Erbfolge. Diese Philosophie des Spinoza, des drittenSohnes des Rene Descartes, wie er sie in seinem Hauptwerk, in derEthik",doziert, ist von dem Materialismus seines Bruders Locke ebenso sehr ent-fernt, wie von dem Idealismus seines Bruders Leibniz. Spinoza quält sich nichtanalytisch mit der Frage über die letzten Gründe unserer Erkenntnisse. Ergibt uns seine große Synthese, seine Erklärung von der Gottheit.Benedikt Spinoza lehrt: Es gibt nur eine Substanz. Das ist Gott. Diese eineSubstanz ist unendlich, sie ist absolut. Alle endlichen Substanzen derivierenvon ihr, sind in ihr enthalten, tauchen in ihr auf, tauchen in ihr unter, siehaben nur relative, vorübergehende, akzidentelle Existenz. Die absoluteSubstanz offenbart sich uns sowohl unter der Form des unendlichen Denkens,als auch unter der Form der unendlichen Ausdehnung. Beides, das unendlicheDenken und die unendliche Ausdehnung, sind die zwei Attribute der abso-luten Substanz, wir erkennen nur diese zwei Attribute; Gott, die absoluteSubstanz, hat aber vielleicht noch mehr Attribute, die wir nicht kennen.Non dico, me deum omnino cognoscere, sed me quaedam eius attributa, nonautem omnia, neque maximam intelligere partem."

Nur Unverstand und Böswilligkeit konnten dieser Lehre das Beiwortathe-istisch" beilegen. Keiner hat sich jemals erhabener über die Gottheit ausge-sprochen wie Spinoza. Statt zu sagen, er leugne Gott, könnte man sagen,er leugne den Menschen. Alle endlichen Dinge sind ihm nur modi der unend-lichen Substanz. Alle endlichen Dinge sind in Gott enthalten, der menschlicheGeist ist nur ein Lichtstrahl des unendlichen Denkens, der menschliche Leibist nur ein Atom der unendlichen Ausdehnung; Gott ist die unendliche Ursachebeider, der Geister und der Leiber, natura naturans. (Heinrich Heine, ZurGeschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, 1834.)

RICHTUNG AUF DAS GEMEINWOHL BEI LEIBNIZ

Leibniz ist einer jener merkwürdigen Genien, wie sie nur Deutschland her-vorgebracht hat und nur Deutschland hervorbringen konnte, jener Genien,in denen die ganze ursprüngliche Kraft, Tiefe und Wahrheit unsrer Nation,aber auch alle die krankhaften Verbildungen und Hemmungen ihrer natur-gemäßen Entwicklung, die Folgen der unseligen Wendung der äußeren Ge-schicke Deutschlands im 16. und 17. Jahrhundert, zur vollen Erscheinungkommen, eine jener faustischen Naturen, die da hervortreten, wo die Trieb-

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