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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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vorgenommen. Hier gelangten wir nun in ein weiteres Feld, eigentlich abernur in einen größeren Irrgarten, der desto ermüdender war, als ein tüchtigerMann, dem wir vertrauten, uns darin herumtrieb. Eine kurze Übersicht recht-fertige diese Worte.

Für die Dichtkunst an und für sich hatte man keinen Grundsatz finden können;sie war zu geistig und flüchtig. Die Malerei, eine Kunst, die man mit den Augenfesthalten, der man mit den äußeren Sinnen Schritt vor Schritt nachgehenkonnte, schien zu solchem Ende günstiger; Engländer und Franzosen hattenschon über die bildende Kunst theoretisiert, und man glaubte nun durch einGleichnis von daher die Poesie zu begründen. Jene stellte Bilder vor die Augen,diese vor die Phantasie; die poetischen Bilder also waren das erste, was inBetrachtung gezogen wurde. Man fing von den Gleichnissen an, Beschrei-bungen folgten, und was nur immer den äußeren Sinnen darstellbar gewesenwäre, kam zur Sprache.

Bilder also! Wo sollte man nun aber diese Bilder anders hernehmen, als ausder Natur? Der Maler ahmte die Natur offenbar nach; warum der Dichternicht auch? Aber die Natur, wie sie vor uns liegt, kann doch nicht nachge-ahmt werden: sie enthält so vieles Unbedeutende, Unwürdige, man muß alsowählen; was bestimmt aber die Wahl? man muß das Bedeutende aufsuchen;was ist aber bedeutend?

Hierauf zu antworten, mögen sich die Schwiezer lange bedacht haben: dennsie kommen auf einen zwar wunderlichen, doch artigen, ja lustigen Einfall,indem sie sagen, am bedeutendsten sei immer das Neue; und nachdem sie dieseine Weile überlegt haben, so finden sie, das Wunderbare sei immer neuer alsalles andere.

Nun hatten sie die poetischen Erfordernisse ziemlich beisammen, allein eskam noch zu bedenken, daß ein Wunderbares auch leer sein könne und ohneBezug auf den Menschen. Ein solcher notwendig geforderter Bezug müsseaber moralisch sein, woraus denn offenbar die Besserung des Menschen folge,und so habe ein Gedicht das letzte Ziel erreicht, wenn es, außer allem anderenGeleisteten, noch nützlich werde. Nach diesen sämtlichen Erfordernissen wollteman nun die verschiedenen Dichtungsarten prüfen, und diejenige, welche dieNatur nachahmte, sodann wunderbar und zugleich auch von sittlichem Zweckund Nutzen sei, sollte für die erste und oberste gelten. Und nach vieler Über-legung ward endlich dieser große Vorrang, mit höchster Überzeugung, derÄsopischen Fabel zugeschrieben.

So wunderlich uns jetzt eine solche Ableitung vorkommen mag, so hatte siedoch auf die besten Köpfe den entschiedensten Einfluß. Daß Geliert und nach-her Lichtwer sich diesem Fache widmeten, daß selbst Lessing darin zu arbeitenversuchte, daß so viele andere ihr Talent dahin wendeten, spricht für das

Zutrauen, welches sich diese Gattung erworben hatte.--------

Doch wir dürfen unsere Schweizertheorie nicht verlassen, ohne daß ihr vonuns auch Gerechtigkeit widerfahre. Bodmer, soviel er sich auch bemüht, isttheoretisch und praktisch zeitlebens ein Kind geblieben. Breitinger war eintüchtiger, gelehrter, einsichtsvoller Mann, dem, als er sich recht umsah, diesämtlichen Erfordernisse einer Dichtung nicht entgingen, ja, es läßt sich nach-

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