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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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wildes und wütendes Volk, und einen hämischen Kerl mitunter, welcher demarmen Cinna, der ihm zuruft, er sei nicht Cinna, der Mörder Cäsars, sondernCinna, der Dichter, seiner elenden Verse halber das Herz aus dem Leibe rei-ßen will. Und diese Löwen, Tiger und Affen führt Antonius mit der Machtseiner Beredsamkeit gerade gegen die Mörder Cäsars, zu deren Unterstützungsie sich versammelt hatten. Was tut nun Voltaire? Er wischt alle diese starkenZüge aus und gibt uns ein glattes, schönes, glänzendes Bild, was in dieser Kunstnicht seinesgleichen hat, aber nun gerade von allem dem nichts ist, was essein sollte. (Justus Moser, Über die deutsche Sprache und Literatur, 1780.)

GEGEN GOTTSCHED UND DIE FRANZOSEN

Niemand", sagen die Verfasser der Bibliothek,wird leugnen, daß die deutscheSchaubühne einen großen Teil ihrer ersten Verbesserung dem Herrn Pro-fessor Gottsched zu danken habe."

Ich bin dieser Niemand; ich leugne es geradezu. Es wäre zu wünschen, daßsich Herr Gottsched niemals mit dem Theater vermengt hätte. Seine ver-meinten Verbesserungen betreffen entweder entbehrliche Kleinigkeiten odersind wahre Verschlimmerungen.

Als die Neuberin blühte und so mancher den Beruf fühlte, sich um sie und dieBühne verdient zu machen, sah es freilich mit unserer dramatischen Poesiesehr elend aus. Man kannte keine Regeln, man bekümmerte sich um keineMuster. Unsre Staats- und Helden-Aktionen waren voller Unsinn, Bom-bast, Schmutz und Pöbelwitz. Unsre Lustspiele bestanden in Verkleidungenund Zaubereien; und Prügel waren die witzigsten Einfälle derselben. DiesesVerderbnis einzusehen, brauchte man eben nicht der feinste und größteGeist zu sein. Auch war Herr Gottsched nicht der erste, der es einsah; erwar nur der erste, der sich Kräfte genug zutraute, ihm abzuhelfen. Undwie ging er damit zu Werke? Er verstand ein wenig Französisch und fingan zu übersetzen; er ermunterte alles, was reimen undOui Monsieur"verstehen konnte, gleichfalls zu übersetzen; er verfertigte, wie ein schwei-zerischer Kunstrichter sagte, mit Kleister und Schere seinen Cato; er ließden Darius und die Austern, die Elise und den Bock im Prozesse, den Au-relius und den Wizling, die Banise und den Hypocondristen, ohne Kleisterund Schere machen; er legte seinen Fluch auf das Extemporieren; er ließden Harlekin feierlich vom Theater vertreiben, welches selbst die größteHarlekinade war, die jemals gespielt worden; kurz, er wollte nicht sowohlunser altes Theater verbessern, als der Schöpfer eines ganz neuen sein. Undwas für eines neuen? Eines französierenden; ohne zu untersuchen, ob diesesfranzösierende Theater der deutschen Denkungsart angemessen sei oder nicht.Er hätte aus unsern alten dramatischen Stücken, welche er vertrieb, hinläng-lich abmerken können, daß wir mehr in den Geschmack der Engländer, alsder Franzosen einschlagen; daß wir in unsern Trauerspielen mehr sehen unddenken wollen, als uns das furchtsame französische Trauerspiel zu sehen undzu denken gibt; daß das Große, das Schreckliche, das Melancholische besserauf uns wirkt als das Artige, das Zärtliche, das Verliebte; daß uns die zu große

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