keiner Gemeinschaftlichkeit der Interessen. Von jener Aufklärung ist er fernernicht nur durch den Inhalt, sondern auch aus dem Grunde geschieden, aus demer von Kant getrennt ist, nämlich weil ihm das Bedürfnis der denkendenVernunft fremd und unverstanden bleibt. Hippeln steht er insofern näher,als er seinen innern Sinn, wie nicht zur Expansion der Erkenntnis, ebenso-wenig (zu) der Poesie herausführen kann, und nur der humoristischen, blitzen-den, desultorischen Äußerung fähig ist; aber dieser Humor ist ohne Reichtumund Mannigfaltigkeit der Empfindung und ohne allen Trieb oder Versuchvon Gestalten; er bleibt ganz beschränkt subjektiv. Am meisten Überein-stimmendes hat er mit demjenigen seiner Freunde, mit dem sich das Ver-hältnis auch in dem Briefwechsel am innigsten und rückhaltlosesten zeigt,mit Jacobi, welcher nur Briefe und gleichfalls wie Hamann kein Buch zuschreiben fähig war; doch sind Jacobis Briefe in sich klar, sie gehen auf Ge-danken, und diese kommen zu einer Entwicklung, Ausführung und einemFortgang, so daß die Briefe zu einer zusammenhängenden Reihe werdenund eine Art von Buch ausmachen. Die Franzosen sagen: Le stile c'est l'hommemime; Hamanns Schriften haben nicht sowohl einen eigentümlichen Stil,als daß sie durch und durch Stil sind. In allem, was aus Hamanns Feder ge-kommen, ist die Persönlichkeit so zudringlich und das Überwiegende, daßder Leser durchaus allenthalben mehr noch auf sie, als auf das, was als In-halt aufzufassen wäre, hingewiesen wird. (Hegel, Jahrbücher für wissen-schaftliche Kritik, 1828.)
BILDUNGSGEHALT DER DEUTSCHEN AUFKLÄRUNG
Was das Luthertum der Welt überhaupt in politischen Rücksichten genutzthaben mag, mußten die deutschen Völker freilich nur zu teuer bezahlen.Aber die geistigen Wohltaten dieser merkwürdigen Weltverwandlung sinddafür auch ihnen beinah ausschließend zuteil geworden. Den treu gebliebenenAnhängern der alten Kirche nicht weniger als den Verfechtern der neuen.Nur bei uns wurde die allgemeine Ansicht von Wahrheit und sittlicher Frei-heit nicht sowohl verändert als erweitert; und mir wenigstens scheint derlebendige Unterschied zwischen deutscher und anderweitiger Aufklärung —vorzüglich der französischen — so auffallend und die erstere so entschiedenvornehmer und edler, daß ich die Herabwürdigung derselben durch einhei-mische Fremdlinge nicht immer ohne Ungeduld anhören kann.Ihnen wird so wenig wie mir die Bemerkung entgangen sein, daß auch inunserer Literatur jeder wirklich vorstrebende Genius nicht etwa bloß seineWissenschaft oder Kunst verherrlicht, sondern mehr oder weniger sein ganzesZeitalter ergriffen und weiter gebracht, ihm eine neue Ansicht der Welt unddes Lebens eröffnet hat. Und wenn wir uns mit unsern Nachbarn vergleichen,— welche Riesenschritte haben wir in den letzten fünfzig Jahren gemacht,von dem seligen Geliert bis zu Schelling! Wir selbst 1 Die Denker und Künstlerder Nation, ohne allen Treibhausschutz mächtiger Vormünder.Wie hat Klopstock gewirkt? wie Lessing? wieviel allgemeiner noch Kant?wie Goethe und Schiller gemeinschaftlich? Wie sehr ist überhaupt unsre
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