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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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pören des Denkens alles sich anschloß, was Genie, Geist, Talent, Edelmutbesaß, und diese neue Weise der Wahrheit mit dem Glänze aller Talente undmit der Frische eines naiven, geistreichen, energischen, gesunden Menschen-verstandes erschien. In Deutschland dagegen spaltete sich jener große Im-puls in zwei verschiedene Charaktere. Auf der einen Seite wurde das Geschäftder Aufklärung mit trockenem Verstände, mit Prinzipien kahler Nützlichkeit,mit Seichtigkeit des Geistes und Wissens, kleinlichen oder gemeinen Leiden-schaften, und wo es am respektabelsten war, mit einiger, doch nüchternerWärme des Gefühls betrieben und trat gegen alles, was sich von Genie, Talent,Gediegenheit des Geistes und Gemüts auftat, in feindselige, trakassierende, ver-höhnende Opposition. Berlin war der Mittelpunkt jenes Aufklärens, woNicolai, Mendelssohn, Teller, Spalding, Zöllner und so fort in ihren Schriften,und die Gesamtperson, die allgemeine deutsche Bibliothek, in gleichförmigemSinne, wenn auch mit verschiedenem Gefühle, tätig waren; Eberhard, Stein-bart, Jerusalem und so fort sind als Nachbarn in diesen Mittelpunkt einzu-rechnen. Außerhalb desselben befand sich in Peripherie um ihn her, was inGenie, Geist und Vernunfttiefe erblühte, und von jener Mitte aus aufs ge-hässigste angegriffen und herabgesetzt wurde. Gegen Nordost sehen wir inKönigsberg Kant, Hippel, Hamann, gegen Süden in Weimar und Jena Herder,Wieland, Goethe, später Schiller, Fichte, Schelling und andere; weiter hinübergegen Westen Jacobi mit seinen Freunden: Lessing, längst gleichgültig gegen dasBerliner Treiben, lebte in Tiefen der Gelehrsamkeit wie in ganz anderen Tiefendes Geistes, als seine Freunde, die vertraut mit ihm zu sein meinten, ahnten.Hippel etwa war unter den genannten großen Männern der Literatur Deutsch-lands der einzige, der den Schmähungen jenes Mittelpunkts nicht ausgesetztwar. Obgleich beide Seiten im Interesse der Freiheit des Geistes übereinkamen,so verfolgte jenes Aufklären, als trockener Verstand des Endlichen, mit Haßdas Gefühl oder Bewußtsein des Unendlichen, was sich auf dieser Seite befand,dessen Tiefe in der Poesie wie in der denkenden Vernunft. Von jener Wirk-samkeit ist das Werk geblieben, von dieser aber auch die Werke.Wenn nun diejenigen, welche dem Geschäfte der Aufklärung verfallen waren,weil formelle Abstraktionen und etwa allgemeine Gefühle von Religion,Menschlichkeit und Rechtlichkeit ihre geistige Höhe ausmachten, nur un-bedeutende Eigentümlichkeit gegeneinander haben konnten, so war jenePeripherie ein Kranz origineller Individualitäten. Unter ihnen ist wohlHamann nicht nur auch originell, sondern mehr noch ein Original, indemer in einer Konzentration seiner tiefen Partikularität beharrte, welche allerForm von Allgemeinheit, sowohl der Expansion denkender Vernunft, als desGeschmacks, sich unfähig gezeigt hat.

Hamann steht der Berliner Aufklärung zunächst durch den Tiefsinn seinerchristlichen Orthodoxie gegenüber, aber so, daß seine Denkweise nicht dasPesthalten der verholzten orthodoxen Theologie seiner Zeit ist; sein Gesichtbehält die höchste Freiheit, in der nichts ein Positives bleibt, sondern sich zurGegenwart und Besitz des Geistes versubjektiviert. Mit seinen beiden Freun-den in Königsberg, Kant und Hippel, die er ehrt und mit denen er auch Um-Sang hat, steht er in dem Verhältnisse eines allgemeinen Zutrauens, aber

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