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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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bolum,, Quantum restat?" zum weltlichen Memento. Zurückgekehrt in die Hei-mat, wo ihm der Abglanz der Weltstadt neues Licht verlieh, widmete er sichdurch Dohnas diplomatische Korrespondenz wenig beansprucht seinen litera-rischen und antiquarischen Arbeiten: er schrieb an der Dacia antiqua, verfaßtefür Schütz das vorbildliche deutsche Singspiel Daphne, zwang die Mär von Jonasin ein erbauliches Lehrpoem, dramatisierte das Hohelied, besang den Gott Mars,verdeutschte die katonischen Zweizeiler und des SieurdePibrac Vierzeiler. Vonseinen größeren Eigenwerken entstand damals sein Vielguet und seine Schäfereivon der Nymphe Hercynia. In Dohnas Auftrag übersetzte er ein Jesuitenpam-phlet wider die protestantische Irrlehre und hielt sich dafür schadlos durch diegleichzeitige Verdeutschung von Grotii Gedicht über den Christenglauben.Durch Dohnas Sturz nach dem Schwedensieg wurde Opitz 1632 wieder stellen-los. Sein Poetenruhm litt unter seiner religions-politischen Zweideutigkeitnicht man nahm das bei Poeten nicht so schwer. Er warb ein Vorläufervon Leibniz für einen Ausgleich der Bekenntnisse. Bei den schwedisch-sächsischen Machthabern in Breslau galt er viel, zumal bei Ulrich von Hol-stein nach dessen Ermordung schrieb er ihm den Nachruf, den er sich ster-bend gewünscht hatte. Die Liegnitzer Herzöge schickten ihn als politischenUnterhändler zu Oxenstierna und zu Baner, und er erwarb sich deren Gunst:sein Dichterruf und seine Gewandtheit schmeichelten ihn überall ein, undsein Humanismus war eine gewinnende Macht. Denn nicht diePolitik"war damals das Schicksal, nicht die Staatsnotwendigkeit, sondern dieAffai-ren", die halb privaten, halb sachlichen Interessen, worin persönliche Will-kür leichter schalten konnte, als in festen Gefügen. Gerade darum war fürgeschickte Liebhaber und gebildete Streber manches zu tun, weil nichts not-wendig geschah ... da war zu basteln, zu flicken, zu schieben . . . das diplo-matische Mitmachen ohne Drang und Not gehört zum Gesicht des Opitz. Seitder Verödung Schlesiens verzog er in die Nähe der schwedischen Gönner nachDanzig: auch hier nützte er praktisch und geistig die lokalen und regionalenUmstände. Sein Danziger Wirt, ein reformierter Prediger, kannte den Königvon Polen, mit einer Schrift über polnisches Staatsrecht winkte Opitz nach dieserSeite und fand einen polnisch gerichteten Gönner im Grafen Dönhoff, demEidam des Herzogs von Thorn. Die Gunst, die der Staatsschriftsteller errungen,bezahlte er als Gelehrter mit einer Verdeutschung der Antigone und als Poet miteinem Lobgesang auf die polnische Majestät. Er wurde 1636 polnischer Hof-historiograph eine Sinekure mit Gehalt. Lateinische Aufsätze und Samm-lungen zur Geschichte Polens, die Dacia antiqua, die Übersetzung von Au-gustins Gottesstaat beschäftigten diese Muße. Mehr und mehr kehrte Opitzzur Gelahrtheit zurück, der eigentlichen Heimat seines Geistes, dem Grundauch seiner Poesie. Als Poet ist er in Danzig, abgesehen von etlichen Gelegen-heitsversen und einem Judithdrama, fast nur noch Übersetzer und Heraus-geber. 1637 und 1638 rundete er seine gesammelten Gedichte. Den Zusammen-hang mit der älteren deutschen Literatur hält er aufrecht, ein Ahne Gott-scheds, Lessings und Herders, mit seiner Ausgabe des Annoliedes, seine letzte fast seine rührendste Leistung. Im August 1639 ist er an der Pest gestorben,42 Jahre alt. (Friedrich Gundolf, Martin Opitz, 1923.)

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