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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Wicklung von Michelangelo bis Bernini und weiter noch hatten die Deutschenverschlafen. Nun traten sie, erwacht, mit Absichten auf, in denen noch jungund gegenwärtig war, was die andern längst verloren hatten. Die künstlerischenMittel, die sie der Allgemeinentwicklung entnahmen, waren an sich etwasLetztes und Spätes aber die Gedanken, die sich ihrer bedienten, waren vonbeinahe altertümlicher Großartigkeit. Nirgends besaß man damals mehr dieGewalt des Wollens, die aus dem neu werdenden Deutschland aufsprang.Man mußte nur schnell lernen. Nur eine Generation lang herrschten dieItaliener, in der nächsten waren sie von deutschen Schülern umgeben spä-testens in der dritten gab es den deutschen Barock.-------

Der Prozeß der Verdeutschung ist klar zu übersehen. Schon in der erstenHälfte des Jahrhunderts nahm der Salzburger Domneubau Santino Solarisein nordisches Problem in Angriff: Die hohen Westtürme, die der Fassade imSinne des römischen Gesu seitlich anzuschließen waren. Im Passauer DomeLuragos und Carlones, in der Würzburger Stift-Haugskirche Petrinis, in derMünchener Theatinerkirche Agostino Barellis, wo immer Italiener in Deutsch-land bauten, kehrte auch dieses Problem wieder. Die Italiener bauten in Deutsch-land anders als in Italien. Und diese Problemstellung war das erste. Dann aberwurde es überall so, wie es in Würzburg zu beobachten ist. Dort hatte seit1660 Antonio Petrini den Barock in Gang gebracht. Um 1700 umgaben ihnschon zwei selbständige Mitarbeiter: der eine war Valentino Pezzani, der andereaber auch wenn er nicht Josef Greising geheißen haben sollte nach Aus-weis seines deutschen Spätrenaissancegefühls sicher ein Deutscher. Dannkam Neumann und mit ihm eine hohe und originelle Reife, an der selbstdie französischen Zeitgenossen schon den deutschen Charakter verspürt haben:viel auf italienisch Manier und etliches Teutsche dabei". Seine Generationhatte sich schon in die beiden Aufgaben höchster Macht- und Prachtentfal-tung hineingefühlt, die das Zeitalter den Meistern anbieten konnte. Es warendie Kirche und der Palast; Aufgaben also, die zwar höchst zweckvoll gelöstwerden können, deren ausgesprochener vornehmer Zweck es jedoch derForm immer gerne nahelegt, selbst zum Zwecke zu werden. Für die großenGedanken, in denen sich die erwachende Kraft des Landes gleichsam Luftmachen mußte, ehe sie die Sprache wiederfand, waren hier die besten Gelegen-heiten zur Entfaltung gegeben. Die Gegenreformation war nicht mehr derstärkste Auftraggeber. Die Kriege, der Dreißigjährige wie die des PrinzenEugen, hatten einen neuen Schwertadel geschaffen, der besonders im öster-reichischen Deutschland neue Aufgaben der Profankunst stellte. Neben ihnentraten die weltlichen und besonders die zahlreichen geistlichen Fürsten auf-Und die allergrößte Beachtung verdienen diejenigen Bauherren, die Kircheund Palast zugleich in höherer Vereinigung forderten: die Klöster. Hier warenBauherr und Baumeister sich seelisch am nächsten; hier steckte vieles vomBesten des deutschen Volkes. Seine alte Liebe zur Kunst ohne die die enormeEntwicklung des deutschen Handwerkes in den guten Zeiten gar nicht zu er-klären wäre hatte sich in den schlechten Zeiten hier ihre Oasen geschaffen-In der allgemeinen Verarmung war sie auf die Reserven zurückgedrängt»die einstmals im Mittelalter den Ausgang aller Kunst überhaupt ermöglicht

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