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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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Menschen, sondern Götter sein." An dieser Stätte von Luthers Wirksam-keit kommt über ihn das Gefühl der heroischen Größe desselben;als derStellvertreter des Höllenfürsten durch abergläubischen Kultus und stumpf-sinnige Ignoranz das Weltall infizierte und keiner da war, der es wagte, dergefräßigsten Bestie entgegenzutreten und Trotz zu bieten: Welcher sonstigeTeil Europas und der Welt hätte uns jenen Alkiden hervorbringen können?"Gesehen hast du, o Luther, das Licht, den göttlichen Geist vernommen, bistdem auch Königen entsetzlichen Feinde waffenlos entgegengetreten, hastmit dem Wort ihn besiegt." Dies Gefühl der heroischen Größe Luthers alsoratorische Phrase zu nehmen, ist kein Grund erfindlich. Bruno war, als erdiese Worte niederschrieb, im Begriff, Wittenberg zu verlassen. Die Be-freiungstat Luthers hob diesen sicher in seinen Augen aus der ganzen vonihm wenig respektierten Masse der Protestanten heraus. Indem er sie an-erkannte, war darin keine Art von Zustimmung zu dem Glaubensprinzipder Reformation, das er damals wie immer verworfen hat.Der Prozeß Brunos ist neuerdings aus venetianischen und römischen Aktender Inquisition aufgehellt worden. Man sieht jetzt, welches Gewicht dieKurie auf diese Sache legte, welche bedeutenden Köpfe bei der Behandlungderselben beteiligt waren, wie man von den denunziatorischen Aufzeichnungendes jungen venezianischen Edelmannes, welcher ihn in das Netz der großenSpinne Inquisition gelockt hatte, auf die Schriften Brunos zurückging, durchderen Übereinstimmung mit der Denunziation diese ja erst beglaubigt werdenkonnte und in der Hauptsache auch wirklich beglaubigt worden ist. WennMocenigo ihn sagen hörte, daß ihm keine Religion gefalle, er wolle eine neueSekte unter dem Namen der neuen Philosophie stiften, so ist auch dies in Über-einstimmung mit einer Mitteilung des Priors des Karmeliterklosters in Frank-furt:wenn er wolle, könne er es dahin bringen, daß die ganze Welt nureine Religion habe", und beide Berichte stimmen mit seinen Schriften über-ein, nach welchen alle partikularen Religionen durch den Vernunftglaubenaufgelöst und ersetzt werden sollen, so daß dieser dann als die Universal-religion zurückbleibt. Man bemerkt, daß Bruno einerseits die bequemedoppelte Buchführung, welche philosophische und theologische WahrheitenUnterschied, benutzte und skrupellos gegen seine Überzeugung sich in letzterBeziehung unterwarf. Aber das ist nun das entscheidende Resultat dieserAkten, daß man in Rom sechs Jahre lang den Prozeß hinauszog, um ihm einenWiderruf seiner eigentlichen Philosophie abzugewinnen; daß er aber hierzudurch keine Art von Druck zu bestimmen gewesen ist. Dies entschied seinSchicksal. Wenn Erzählungen in Rom umliefen, er habe gesagt, daß er frei-willig als Märtyrer für die Wahrheit sterbe, so entsprach dies genau demSachverhalt. Am Morgen des 17. Februar 1600 ist er vor dem alten Theaterdes Pompejus verbrannt worden. Als man dem Sterbenden, von dem keinSchrei zu vernehmen war, ein Kruzifix vor die Augen hielt, wandte er sich^it finsterer Miene verächtlich von demselben ab. (Wilhelm Dilthey, Gior-d ano Bruno, 1891 1893.)

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