es damals Bruno in dem England der Elisabeth und des Shakespeare. Hierzutrat aber ein inhaltliches Wachstum seiner großen Seele in dieser großenUmgebung. Nirgend anders als in dem Vaterlande Shakespeares und Carlyleshätte er die herrliche Schrift über „den Heldenwahnsinn" so schreiben können.In diesem Lande, im vertrauten Umgang mit Sidney, in der Anschauung dieserheroischen Welt, welche auch den Gesichtskreis Shakespeares ausmachte,steigerte sich der Enthusiasmus des Plotin in ihm zum aktiven heroischenLebensgefühl, ward sein dichterisch philosophischer Geist aller Fesseln schul-mäßiger Tradition ledig, und so überließ er sich in der Sprache seiner Heimatzum erstenmal ganz den Eingebungen seines Genius, in tiefsinnigen wissen-schaftlichen Kombinationen, in ungestümer Polemik und in ausgelassenemScherz. Und so ist es gekommen, daß dieselbe Regierungzeit der großenKönigin neben den größten Dramen aller Zeiten durch einen Fremden anihrem Hof die vollkommensten philosophischen Kunstwerke des Jahrhundertshervorbrachte. Beide Klassen von Werken haben dieselbe Verschwendungim Reichtum, dieselbe Verbindung von Melancholie und Humor — wie dasMotto einer Komödie lautete: In der Melancholie heiter, in der Heiterkeitmelancholisch (In tristitia hilaris, in hilaritate tristis) — und denselben ex-zentrischen und überladenen Stil des ausgehenden Jahrhunderts. Die italieni-schen Werke dieser Londoner Jahre, hingeworfen in fliegender Eile, mit derSicherheit des Genius, bezeichnen die Reife der Jugend.
Als er London verließ, schied er sich von seinem Glück. Er folgte dem ab-berufenen Gesandten nach Paris. Er kam dorthin ganz anders als das erste-mal, als der Vertreter einer neuen Weltansicht, welche er schriftstellerischzur Darstellung gebracht hatte. Unterstützt von seinem Schüler JohannHenne quin, unternahm er nun in öffentlichen Disputationen zu Pfingsten1586, gegenüber der Kirche, dem Aristoteles und Ptolemäus die Bewegung derErde, die Unendlichkeit des Weltalls, kurz, seine monistische Philosophie zuverteidigen. Es war derselbe Konflikt zwischen der seit zwei Jahrtausendenherrschenden Weltansicht und der neuen Zeit, wie er ihn in der Oxforder Dispu-tation schon durchgekämpft hatte, nur daß er an diesem Hauptsitz der katho-lischen Spekulation sich steigerte und verschärfte. Er mußte sofort Paris ver-lassen. -------
In der Stadt Luthers kam ihm die Bedeutung des deutschen Geistes zum Be-wußtsein. Der Ausdruck hiervon ist seine Abschiedsrede an das deutsche Athenvom 8. März 1588. Diese Rede ist ein höchst merkwürdiges Dokument überdie Freiheit, welche selbst in dieser Zeit noch in Wittenberg bestand. „Ichkam zu euch als Fremder, exiliert und flüchtig, ein Spielball des Schicksals,unansehnlich von Gestalt, dürftig, gunstlos, beladen mit dem Haß der Mengeund daher den Törichten und Gemeinen verächtlich". Da haben ihm dieAutoritäten der Universität Freiheit der philosophischen Forschung gewährt,er dankt ihnen, daß sie ihn mit vornehmem Sinn getragen und seinen Feindenkein Ohr geliehen. Er spricht aber den Eindruck, welchen Deutschland imJahrhundert der Reformation auf ihn machte, in höchst bemerkenswertenWorten aus. „Gewähre, o Jupiter, daß sie ihre eigenen Kräfte erkennenmögen und den Fleiß höheren Dingen zuwenden, dann werden sie nicht mehr
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