ligenbilder und behielt nur das Kruzifix. Er empfahl einem Genossen, stattder sieben Freuden der Madonna das Leben der heiligen Väter zu lesen. Mit18 Jahren faßte er dann Zweifel an der Trinität, der Gottheit Christi und derVerwandlung im Meßopfer. Solche Ketzereien nahm die neue katholischeRestauration ernster, als das in den guten alten Zeiten Leos X. üblich gewesenwar. So entwich Giordano Bruno aus dem Kloster. Er stand nun im 28. Jahre,
seine Lehrjahre waren zu Ende.-------
Brunos Aufenthalt in England von 1583 —1585 bildet den Höhepunkt seinesLebens. In Paris vordem und nun in London fand er etwas von dem Glück,nach welchem seine Irrfahrt ging, Ruhm, Gunst der Könige und der Großen,Neigung der Frauen. Die italienische Renaissance war das gesellschaftlicheund geistige Element, dessen feiner durchdringender Duft das höfische unddichterische Leben jener Tage ganz erfüllte. Welchen Zauber Giordano BrunosUnterhaltung besaß, geht daraus hervor, wie er über die Köpfe der angesehen-sten und achtbarsten Gelehrten hinweg seinen Weg zum Hof und der erstenGesellschaft fand. Er war durch Heinrich III. an dessen Gesandten vonCastelnau empfohlen worden, und nach einem Universitätsturnier in Oxford,in welchem er für das Kopernikanische Weltsystem wieder eines seiner frucht-losen Kampfspiele bestanden hatte, lebte er im Hause des französischen Ge-sandten als einer der Kavaliere desselben. Er war mit Philipp Sidney innigbefreundet. Dieser Neffe Leicesters und Liebling der Königin war das Musterbildvornehmer höfischer Sitte, ritterlichen Mutes und kunstvoller vornehmerPoesie. Die Durchdringung des kraftvollen und exzentrischen englischen Geistesmit dem der italienischen Renaissance kam in ihm zur glänzenden Erscheinung.Er war Platoniker. Wenn er in seinem Sonettenkranz erzählt, wie die Tugenddie Gestalt Stellas angenommen habe, „sie jenen Himmel sehen lassend, denheroische Seelen infolge ihres inneren Fühlens sehen": so erinnert dieserÜbergang der persönlichen Liebesleidenschaft in das Ideelle und Mystischean den Sonettenkranz des Giordano Bruno aus der Zeit seiner Freundschaftmit ihm. Überhaupt bildet die Verwandtschaft des Sonettenkranzes vonBruno, des andern von Sidney und des dritten von Shakespeare, welche andemselben Hof und in derselben Epoche nacheinander entstanden sind, einesder fesselnden Probleme der Literaturgeschichte. Dem Philipp Sidney warenauch zwei seiner schönsten philosophischen Kunstwerke gewidmet. Die vor-nehmsten Engländer jener Tage hat Giordano Bruno gesehen und kennen-gelernt. Die Königin Elisabeth selber hörte ihm mit Vergnügen zu, und erhat ihre Freundlichkeit mit Lobsprüchen von einer besonders übertriebenenhöfischen Überschwenglichkeit erwidert. In der feinsinnigen Geselligkeit imHause Castelnaus erweiterte sich seine Seele zu den ihr natürlichen Maß-verhältnissen. Nun erst fühlte er sich selbst. Und so traten in dieser glück-lichen Zeit, in einem Zeitraum von weniger als zwei Jahren hintereinander,*n italienischer Sprache die sechs philosophischen Kunstwerke hervor, welcheihn zum größten philosophischen Schriftsteller seines Jahrhunderts gemachthaben. Man bemerkt öfter, wie eine besonders glückliche Lage des Gemütesin einer bestimmten Lebensepoche den Leistungen eines Schriftstellers eineKraft und Harmonie verleiht, welche er hernach nie wieder erreicht. So ging
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