Strebemauern. Dadurch war ein wundervoll mächtiger Raum geschaffen,von einer Breite und Einheitlichkeit, wie sie bislang unter der Herrschaftdes mittelalterlichen Gliederbaues immer erst geahnt werden konnte, nirgendsaber großartiger als in Deutschland — man denke an Straßburg, Magdeburg,Münster — erträumt worden war. So italienisch der unmittelbare Gedankewar, er schlug doch an eine Saite des deutschen Raumgefühles an.Niemand kann sagen, was nun hätte werden können, wenn nicht der Dreißig-jährige Krieg dazwischengefahren wäre. St. Michael selbst blieb einzig.Aber ein verwandter Geist lebt doch in den Jesuitenkirchen von Eichstätt,Dillingen, Neuburg weiter, in den Werken der Graubündener Gilg Vältin undHans Albertaler. Und in der profanen Baukunst waren Elias Holl von Augs-burg und Jakob Wolf von Nürnberg verwandte, und zwar wirklich großeund selbständige Geister. Hier war — mit Mitteln der italienischen Nach-klassiker, Palladios vor allem — eine Richtung auf dem Wege, die das Ganzeund Mächtige, das Große und Einheitliche mitten in dem Gewirr der zu vielen,zu kleinen, zu schreinerhaften Formen durchsetzte. Diese Richtung wurdewohl wirklich durch die Katastrophe abgewürgt; nur, daß Deutschland, so-bald es wieder zum Schaffen frei wurde, auch diese Richtung wieder auf-nahm, daß die einzige ganz konsequente Schule des deutschen Kirchenbarocks,in der Werk auf Werk, Meister auf Meister an einer Aufgabe fortarbeiteten,die oberschwäbische nämlich, genau bei der Fassung von St. Michael einsetzte,um sie immer schwäbischer und immer deutscher zu gestalten. (WilhelmPinder, Deutscher Barock, 1913.)
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