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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
Seite
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so findet sich, daß bald etwas fehlt, bald etwas da ist, was nicht dahin gehört.Wären aber auch alle Voraussetzungen richtig, so müßte doch die Erfah-rung auch alles bestätigen, was man daraus folgern kann; das ist aber derFall nicht. Da ich nun", fährt er fort,lange bei mir über die Ungewißheitdieser Lehren nachgedacht hatte, so ward es kränkend für mich, zu sehen,daß der Mensch, der doch so vieles so glücklich erforscht hat, noch so wenigsichere Begriffe von der großen Weltmaschine habe, die der größte und weisesteWerkmeister, der Schöpfer der Ordnung selbst, für ihn dahingestellt hat.Ich fing zu dem Ende an, so viel Schriften der Alten zu lesen, als mir auf-zutreiben möglich war, um zu sehen, ob nicht irgendeiner unter ihnen andersüber die Sache gedacht habe, als die Weltweisen, die jene Lehre öffentlichin den Schulen gelehrt hatten."

Kopernikus las also. Die erste Stelle, die ihm auffiel, war, wie er selbst demPapst erzählt, eine beim Cicero und nachher eine andere beim Plutarch.In jener wird mit deutlichen Worten gesagt: Nicetas von Syrakus habe ge-glaubt, der Himmel, Sonne, Mond und alle Sterne ständen überhaupt stilleund außer der Erde sei nichts beweglich in dem Weltgebäude, diese aberdrehte sich mit großer Schnelligkeit um ihre Achse, und so ließe es, als drehesich der Himmel, und die Erde stände stille. In der andern versichert Plutarcheben dieses von dem Pythagoräer Ekphantus und Heraklides aus Pontus,sagt aber vorher noch, der Pythagoräer Philolaus habe gelehrt: die Erde drehesich um das Feuer in einem schrägen Kreise, dergleichen die Sonne und derMond durchliefen. Dieses gab mir nun", fährt er fort,Veranlassung, auchüber die Beweglichkeit der Erde nachzudenken. Ob nun gleich eine solcheMeinung absurd schien, so dachte ich doch, man würde auch mir eine Freiheitnicht versagen, die man so vielen andern vor mir zugestanden hatte, nämlichbeliebige Kreise und Bewegungen anzunehmen, um daraus die Erscheinungenam Himmel zu erklären. Als ich nun anfing, die Erde sowohl um ihre Achse,als um die Sonne beweglich zu setzen, und dieses mit meinen lange fortge-setzten Beobachtungen verglich, so fand sich eine solche Übereinstimmungmit den Phänomenen, und alles fügte sich nun so gut zusammen, daß keinTeil mehr verrückt werden konnte, ohne alle die übrigen und das Ganze da-durch zu verwirren."

Dieses ist die kurze Geschichte der Veranlassung zu einem Gedanken, mitwelchem eigentlich wahre Astronomie ihren Anfang nahm. Nun bedenke mandiese Veranlassung und vergleiche den Wink mit der Wirkung, die er auf denDomherrn zu Frauenburg hatte.

In den Alten finden sich ein paar Stellen, worin im Vorbeigehen gesagt wird,die Erde drehe sich um ihre Achse und laufe in einem Kreise um das Feuer.Diese Behauptungen zeichnen sich durch nichts vor vielen andern aus, dieman bei den Alten antrifft und deren Unrichtigkeit anerkannt ist. Tausendehatten sie gelesen und nicht geachtet. Es wird dabei nichts bewiesen undnichts darauf gegründet. Fast das ganze Altertum ist wider sie und daruntereinige der größten Genies aller Zeiten und aller Völker. Hingegen wurde dieIdee, daß die Erde ruhe, mit wenigen Ausnahmen allgemein. Ohnehin schon,durch mächtige Begünstigung des sinnlichen Scheins, mit der Sprache aller

8 Wolters, Der Deutsche. 111,1. ___