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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
Seite
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überwiegendsonnige" Natur der literati der Genuß von Sonnenlicht, Luftund Wein unentbehrlich. Deshalb zieht es den echten Poeten so unwidersteh-lich ins Freie und den Philosophen unter das Himmelsgewölbe, an welchemdie Lenker der Geschicke dahinschreiten. Wieder und wieder schaut er emporzu ihren alles bewegenden und durchdringenden Strahlen und sendet seinGebet in die Nacht:

O nox perpetuis decora stellis,

Quas divum facies levas coruscasl(Friedrich von Bezold, Konrad Celtis, ,,der deutsche Erzhumanist", 1883.)

VERBINDUNG VON RELIGION UND WISSENSCHAFTIN REUCHLIN

Reuchlin war groß und wohlgestaltet, würdig in all seinem Tun und Lassen,von einer äußerlichen Ruhe und Milde, die seinem Talente gleich auf den erstenBlick Vertrauen verschafften. Er war kein Autor, der den Beifall des großenPublikums der lateinischen Welt hätte gewinnen können: seine Diktion istnur mittelmäßig; Sinn für Eleganz und Form beweist er eigentlich nicht.Dagegen zeigte er einen Durst, zu lernen, einen Eifer, mitzuteilen, die ihres-gleichen nicht hatten. Er beschreibt selbst, wie er seine Wissenschaft stück-weise zusammengebracht, Brosamen, die von des Herrn Tische fielen, zuParis und im Vatikan, zu Florenz, Mailand, Basel, am kaiserlichen Hofe, wieer dann, jenem Vogel des Apollonius gleich, den Weizen anderem Geflügelzum Genuß überlassen habe. Mit einem Wörterbuch, das besonders dazu bei-trug, die älteren scholastischen zu verdrängen, kam er den lateinischen, miteiner kleinen Grammatik den griechischen Studien zu Hilfe; er sparte wederMühe noch Geld, um die klassischen Autoren, entweder handschriftlich oderwie sie die italienischen Pressen verließen, über die Alpen hinüberzubringen:in seiner Behausung berührte die wundervollste Hervorbringung der ent-fernten Jahrhunderte, die homerischen Gedichte, zuerst in ihrer echten Ge-stalt den deutschen Geist, der sie einst der Welt wieder vollkommener ver-ständlich machen sollte. Noch höher aber als alles dies schlugen die Zeitge-nossen sein Studium des Hebräischen an, dem eben jene sporadischen Be-mühungen hauptsächlich galten. Darin sah er selbst sein eigentümlichstesVerdienst. ,,Es ist vor mir keiner gewesen," ruft er mit wohlbegründetemSelbstgefühl einem seiner Gegner zu,der sich unterstanden hätte, die Regelnder hebräischen Sprache in ein Buch zu bringen, und sollte dem Neide seinHerz zerbrechen, dennoch bin ich der Erste. Exegi monumentum aere pe-rennius." Hierbei hatte er nun das meiste jüdischen Rabbinern zu danken,die er allenthalben aufsuchte, von denen er keinen vorüberziehen ließ, ohneetwas von ihm gelernt zu haben, die ihn aber nicht allein auf das Alte Testa-ment, sondern auch auf ihre übrigen Sachen, vor allem die Kabbala führten.Reuchlin war ein Geist, dem die grammatisch-lexikalischen Studien an undfür sich nicht völlig genug taten. Nach dem Vorgang seiner jüdischen LehrerWandte er sich auf die Mystik des Wortes. In dem Namen Gottes in der Schrift,>n ihrer elementaren Zusammensetzung findet er zugleich das tiefste Geheim-

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