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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
Seite
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Seine poetischen Schilderungen erscheinen allerdings zum Teil den Altennachgebildet, auch wohl ins Mythologische übersetzt. Ich erinnere nur anjene Ode, worin er die Rheinüberschwemmung unter dem Bild einer vom Meer-gott berufenen Versammlung der Flußgottheiten darstellt. Mit stürmischerHast drängen die Quellnymphen auf den Ruf des Vaters Oceanus aus ihremmoosigen Versteck hervor, sie lassen ihre Haare im Südwind flattern, schmük-ken und spiegeln sich im Sonnenlicht, schütteln den Tau von den Gliedernund prüfen singend die Kraft ihrer Arme, ob sie die wogende Brandung derSee zu teilen vermögen. Das ist ein antikes Naturgemälde, dagegen bewegter sich in der freien Nachgestaltung der Renaissance, wenn er das Kreisender Sternbilder um die Erde mit einem Moriskentanz vergleicht, als dessenMittelpunkt die gefeierte Schönheit in anmutiger Ruhe die wilde Huldigungentgegennimmt. Daß aber Celtis von dieser Einkleidung ganz abzusehenund landschaftliche Eindrücke in einfachen Zügen festzuhalten weiß, zeigenviele Stellen seiner Gedichte und namentlich seiner Beschreibung von Nürn-berg. Er weidet sein Auge an dem Panorama der Alpen, das sich auf der Höhebei Freising über der rauschenden Isar darbietet, er ärgert sich über das flacheschattenlose Terrain um Ingolstadt und preist die hochgelegene Burg desBohuslav von Hassenstein, die lieblichen Neckarufer Heidelbergs, die Nürn-berger Burg, von deren Höhe er die Stadt und als ihre Umkränzung denherzynischen" Wald zu seinen Füßen liegen sieht. Auch das imponierendeBild, das Nürnberg dem von außen Kommenden bietet, wird erwähnt. DieLage der deutschen Klöster in anmutigen Tälern, unter dem Schatten ur-alter Eichen, erregt sein Entzücken, dem Laubwald des südlichen Deutsch-land stellt er (freilich nicht sehr genau) die dunklen Nadelwälder des Nordensgegenüber, die, von hallenden Gießbächen durchrauscht, ihn an die Schauerder Unterwelt mahnen.

Diese Schwärmerei für den deutschen Wald und seine unverkümmerteimmer-grüne Herrlichkeit" birgt Elemente der Empfindsamkeit und der Mystik.Ein Liebhaber der Sonne, der Wälder und Berge wird Celtis in der von seinenFreunden verfaßten Biographie genannt. Er selbst bezeugt mehr als einmal,daß er sich im Schatten des Waldes und in der freien Himmelsluft der Gott-heit näher fühlt, als in den dumpfen Mauern der Kirche, die Stille der Naturredet ihm mächtiger zum Herzen als das Geschrei eines dünkelhaften Pfaffen.Zwei seiner besten Oden verteidigen diesen einsamen Gottesdienst in dergroßen Natur.

Hie mihi magna Jovis subit omnipotentis imago

Templaque summa dei.Hier schauen die Gewaltigen des Himmels unmittelbarer in die Brust desMenschen, als von den bemalten Wänden der Gotteshäuser, hier gemahnt ihndas Farbenspiel des Sonnenuntergangs an Sterben und Vergehen. DiesesHineintragen der eigenen Empfindung in die Natur empfängt noch eine weitereVertiefung durch den Einklang der platonischen Naturbeseelung. MarsilioFicino empfiehlt in seinemBuch des Lebens" den Aufenthalt unter freiemHimmel, an hochgelegenen und heiteren Orten, wo die Strahlen der Gestirneungehindert auf den Menschen wirken können, insbesondere aber ist für die

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