Enea Silvio hatte ja gefunden, daß die deutschen Bürger besser wohnten, alsdie Königin von Schottland. In der Charakteristik der Bevölkerung fehltnatürlich weder der „Nürnberger Witz" der Männer, noch die gewinnendeFeinheit der Frauen. Celtis vergleicht den leicht beweglichen und zur Prah-lerei geneigten Sinn der Nürnberger mit dem Sandboden ihrer Heimat undfindet den Grundzug einer vorsichtigen Klugheit (ingenium varum) glück-lich heraus. Auch jene aus Selbstsucht entspringende ängstliche Höflichkeit,die zu einer heuchlerischen Sorgfalt für die dem anderen zukommende Ehreführt, entgeht ihm nicht. Das Stadtwappen, den Adler mit Frauenkopf, er-laubt er sich, an einen landläufigen Scherz anknüpfend, auf die unbestritteneHerrschaft der hübschen „männergewaltigen" Nürnbergerinnen zu deuten.Wenn er mitten in dieser lebendigen Auffassung der Gegenwart die MöncheDruiden und die Feuerarbeiter Zyklopen nennt, auf der Hallerwiese die Bil-der Apollos und der Musen vermißt, die Kirchenglocken wie etwas ganzFremdartiges beschreibt, so kann man ihm solche kleine Schwächen leichtnachsehen und nur bedauern, daß wir von der geplanten Beschreibung Deutsch-lands nichts als dieses Bruchstück besitzen.
Sehr ausführlich behandelt Celtis die geographische Lage und was damitzusammenhängt, Beschaffenheit der Atmosphäre und des Bodens, Klima,Gesundheitsverhältnisse und Rasse dieses „Zentrums von Europa". Das ge-mäßigte gesunde Klima und die geringe Bewegung der Luft führt er auf denSandboden und die Abwesenheit stagnierender Gewässer zurück; aber auchauf die geistige Anlage der Bevölkerung schreibt er der trockenen Atmo-sphäre einen entscheidenden Einfluß zu, indem die Freiheit von schädlichenDünsten nicht nur für die körperliche Gesundheit, sondern auch für dieSchärfe und Spannkraft des Geistes sehr förderlich sei. Ein gegenteiligesBeispiel von den schädlichen Einwirkungen übergroßer Feuchtigkeit undmangelhafter Ernährung liefern ihm die Anwohner der Donau. Auch dasVorherrschen des brünetten Typus und die auffällige Dialektmischung inNürnberg wird nicht vergessen, ebensowenig die Eigentümlichkeit des dortigenSandsteins, der sich unter dem Einfluß von Sonne und Luft zu trefflichemBaumaterial härtet. Die Gestaltung des Terrains mit den umgebenden „einemdeutschen Sattel" vergleichbaren Hügeln, mit den weit verzweigten, „meer-buchtartig" vor- und zurücktretenden Waldungen mit dem natürlichen Mittel-Punkt des Burgbergs, erregt das Interesse des eifrigen Geographen. Abermit der nämlichen Sorgfalt schildert er die künstliche Benutzung und Befesti-gung der natürlichen Situation, wobei er auf die Umwallung und die Ummaue-r ung, auf die verschiedenartige Konstruktion der Türme, auf die geräumigenWehrgänge und die strategische Bedeutung der Toranlagen eingeht. Die künst-liche Befruchtung des widerspenstigen Sandbodens, die Aufforstung entwaldeterStrecken, Nürnbergs uralte Metallindustrie und die Erfindung des Drahtziehens,die Straßenpflasterung und Wasserversorgung der Stadt, kurz alle Seiten desWirtschaftlichen Lebens werden berührt; die besonderen Liebhabereien des Hu-manismus, wie die Ableitung aller modernen Verhältnisse aus der Antike oderdie Bevorzugung einer sagenhaften Urgeschichte, treten nur selten zutage undmüssen einer frischen Anschauung des Wirklichen das Feld räumen.-------
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