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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Geduld, sie aufs neue vorzunehmen, umzuschreiben, auszufeilen: die meistenwurden gedruckt, wie er sie hinwarf; aber eben dies verschaffte ihnen all-gemeinen Eingang: sie zogen eben dadurch an, weil sie die ohne allen Rück-blick sich fortentwickelnden Gedanken eines reichen, feinen, witzigen,kühnen und gebildeten Geistes mitteilten. Wer bemerkte gleich die Fehler,deren ihm genug entschlüpften? Die Art und Weise seines Vortrages, die denLeser noch heute fesselt, riß damals noch weit mehr jedermann mit sich fort.So ward er allmählich der berühmteste Mann in Europa: die öffentliche Mei-nung, der er den Weg bahnte vor ihr her, schmückte ihn mit ihren schönstenKränzen; in sein Haus zu Basel strömten die Geschenke; von allen Seitenbesuchte man ihn; nach allen Weltgegenden empfing er Einladungen. Einkleiner blonder Mann, mit blauen, halbgeschlossenen Augen, voll Feinheit derBeobachtung, Laune um den Mund, von etwas furchtsamer Haltung: jederHauch schien ihn umzuwerfen, er erzitterte bei dem Worte Tod. (Leopoldvon Ranke, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation, 1839,1847.)

STADT UND LANDSCHAFT BEI CELTIS

Die reifste Frucht seiner Beobachtungsgabe bietet Celtis in der mit Recht be-rühmten Beschreibung der Stadt Nürnberg. Wie anziehend schildertCeltis die bescheidene Fröhlichkeit, womit sich Alt und Jung die schönenSommerabende an der Bleiche lustwandelnd und singend vertreiben, oderdie festlichen Waffenspiele auf der Haller Wiese, wo unter dem Schatten einervierfachen Baumreihe die Quellen sprudeln, der dichte Rasen grünt, vomBurghügel das Lied der Vögel herüberschallt. Die Anekdote vom alten KaiserFriedrich, der alle Knaben unter zehn Jahren in den Burggraben einlädtund mit Lebkuchen beschenkt, weiß er ebenso hübsch zu erzählen, wie dietragikomische Geschichte von der Panik, die bei der Schaustellung der Reichs-kleinodien durch einen vorwitzigen Raben und ein paar fallende Dachziegelverursacht wird. Mit ergreifenden Zügen veranschaulicht er uns die Schreckender Hungersnot von 1491, die Scharen zerlumpter und ausgemergelter Bauern,die sich verzweifelnd vor den Kirchen der Stadt lagern und Almosen heischen,die schauerliche Todeslust, womit ein wegen Diebstahls Verurteilter denStrick als einzige Erlösung aus dieser Not begrüßt. Die Tröstung und Spei-sung der Aussätzigen, die Einkleidung der Klosterfrauen, die Schützenfesteund Exerzitien, der unerfreuliche Sport des Zutrinkens, die mannigfaltigenTrachten der Bürger, von der ernsthaft anständigen Gewandung der Rats-herren bis zum stutzerhaften Durcheinander aller ausländischen Moden, Klei-dung und Schmuck der Frauen, kurz alles, was irgendwie die Aufmerksamkeiteines Wanderers erregen kann, wird von dem wißbegierigen und mitteil-samen Humanisten vermerkt; schenkt er doch sogar dem öffentlichen Stein-tragen zänkischer und kupplerischer Weiber sowie dem unheimlichen Schau-spiel der rabenumflatterten Richtstätte einen Blick. Sein besonderes Wohl-gefallen erregen die schönen hohen Giebelhäuser und die zierlichen Erker,deren Säulenschmuck und reiche Vergitterung, Butzenscheiben und Zier-pflanzen ihm den Eindruck königlicher Pracht vervollständigen. Schon

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