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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
Seite
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bezüglich, alles sorgsam und an passender Stelle angebracht. Den Namen desMalers zeigt keines dieser Bilder.

Das an Umfang wie an Kunstwert hervorragendste Bild dieser ganzen Gruppe,ja überhaupt eine der schönsten Leistungen Holbeins ist das Porträt desJörg Gysin. Dieser war ein spezieller Landsmann des Künstlers. Die FamilieGysin (oder Gyze, wie meist auf dem Bilde steht) ist in der Baseler Gegendheimisch; noch heute kann man im benachbarten Städtchen Liestall diesenNamen auf den Aushängschildern fast an jedem Hause lesen. Wir erblickeneinen Mann in jüngeren Jahren, bartlos mit ziemlich langem blonden Haar,angetan mit schwarzer Mütze, rotem Unterkleid von einem schillernden Stoffund schwarzem Überrock, beide oben ausgeschnitten, so daß man das feingefältelte weiße Hemd sieht, welches die Brust bedeckt. Er ist eben damit be-schäftigt, einen Brief zu öffnen, und zwar einen Brief seines Bruders, wie diedeutlich geschriebene Adresse zeigt:

Dem erszamen

Jergen gisze to lunden

In engelant Mynem

broder to handen.Der Abgebildete sitzt hinter einem Tisch, auf welchem ein prächtiger ge-musterter Teppich liegt, der sich heute zur Nachahmung empfehlen würde;vor ihm das mannigfaltigste Geräte, wie es in die Schreibstube eines Kauf-mannes gehört, Schreibzeug, Schere, Feder und Petschaft, ein großes Rech-nungsbuch, ein rundes Henkelgefäß wohl von zartestem venetianischemGlase, welches Blumen, namentlich Nelken, enthält, und dessen Durchsichtig-keit und Klarheit unvergleichlich dargestellt sind. Eine Kugel für Bindfadenhängt herab, zwei Borde zu beiden Seiten enthalten Bücher, Ringe, Schlüssel,eine Uhr mit Petschaft, eine Goldwage. Den Hintergrund bildet eine grüneWand. In diesem Beiwerk hat die Feinheit der Ausführung bis in das Kleinste,die erschöpfende Charakteristik der verschiedensten Stoffe, Gold, Stahl, Glas,nicht ihresgleichen. Es ist mit einer so liebevollen Genauigkeit, einer so rich-tigen Empfindung gemacht, daß der größte Stilleben-Maler späterer Zeiten,der in solchen Motiven sein höchstes und eigentliches Ziel sieht, nicht damitWetteifern kann.

Ungesucht angeordnet, als ob nur der Zufall hier gewaltet, sind alle die Dingenotwendig, um die künstlerische Stimmung, auf welche es dem Maler an-kam, hervorzurufen. Wir sehen nicht bloß die Person des jungen Kaufmanns,Sondern in die gewöhnliche Stätte seines Wirkens blicken wir hinein, mittenln Ausübung seines täglichen Berufes treffen wir ihn an. Und wie paßt seineSanze Erscheinung, sein Wesen, sein Ausdruck da hinein I Dieses echte Bilde mes deutschen Mannes, deutsch in den Formen des Gesichts, der großenSeraden Nase, der stark und schwer gebildeten Unterpartie des Gesichtes, denfe Uchtglänzenden Augen voll Gemüt und Redlichkeit, die auf den Beschauergerichtet sind! Welch ein tüchtiger Kern, welche prunklose Rechtschaffen-heit, welche schlichte Verständigkeit sprechen aus diesem Manne I Mit Ge-lassenheit und Überlegung tut er, was er täglich zu tun gewohnt ist, selbst°eim öffnen des Briefes aus der Heimat läßt er sich Zeit und wird uns Rede

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