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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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spricht. Solch ein Werk beweist, wie sehr der Künstler über das handwerk-mäßige Wesen ringsumher hinausgehen konnte, sobald er alle Kraft zusam-mennahm, und erklärt sein geistiges Übergewicht, seinen staunenswertenEinfluß auf Nah und Fern. Dies Bild enthält die Summe alles damals in Deutsch-land Erreichbaren und Erreichten. (Alfred Woltmann, Holbein und seineZeit, 1866/1868.)

DÜRER UND DIE ANTIKE

A 1 s Ausgangspunkt dient Dürer immer seine Verehrung für die Kunst undWeisheit des klassischen Altertums, seine Klage um deren Untergang undseine Achtung vor den neuen Bestrebungen der Italiener. In der Widmungseiner Meßkunst an Pirkheimer heißt es:In was Ehren und Würden aber dieseKunst bei den Griechen und Römern gewesen ist, zeigen die alten Bücher ge-nugsam an; wiewohl sie in der Folge gar verloren und über tausend Jahre ver-borgen gewesen und erst vor zweihundert Jahren wieder durch die Welschenan den Tag gebracht worden ist" oder wie es in der Proportionslehre einmalheißt: vor anderthalbhundert Jahren. Man sieht, daß Dürer die neue Blüteder Kunst an die Epoche der Renaissance knüpft. In der Vorrede zu seinemProportionswerke soll nach seinem ausdrücklichen Wunsche hervorgehobenwerden,daß er die Welschen sehr lobe in ihren nackten Bildern und zumalin der Perspektive". Im Jahre 1513 aber schreibt Dürer:Die große Kunst desMalens ist vor vielen hundert Jahren bei den mächtigen Königen in großerAchtbarkeit gewesen, denn sie machten die fürtrefflichen Künstler reichund hielten sie würdig, denn sie erachteten solche Sinnreichigkeit für einSchaffen, gleichförmig dem Gottes. Denn ein guter Maler ist inwendig vollerFiguren, und wenns möglich wäre, daß er ewiglich lebte, so hätte er ausden inneren Ideen, davon Plato schreibt, allzeit etwas Neues durch die Werkeauszugießen. Vor vielen hundert Jahren sind annoch etliche berühmte Malergewesen, als mit Namen: Phidias, Praxiteles, Apelles, Poliklet, Parrhasius,Lisippus, Protogenes und die anderen, deren einige ihre Kunst beschriebenund zumal kunstvoll angezeigt und klar an den Tag gebracht haben; dochsind ihre löblichen Bücher uns bisher verborgen und vielleicht gar verlorengegangen einst geschehen durch Krieg, Austreibung der Völker und Ver-änderung der Gesetze und Glauben, was da billig zu beklagen ist von einem jeg-lichen weisen Mann. Es geschieht oft durch die rohen Unterdrücker derKunst, daß die edlen Ingenia ausgelöscht werden, denn so sie die in wenigenLinien gezogenen Figuren sehen, vermeinen sie, es sei eitel Teufelsbannung.So ehren sie Gott mit etwas, das ihm widerwärtig ist; und menschlich zu reden,hat Gott ein Mißfallen über alle Vertilger großer Meisterschaft, die mit großerMühe, Arbeit und Zeit erfunden wird und allein von Gott verliehen ist. Ichhabe oft Schmerzen, daß ich der vorgenannten Meister Kunstbücher beraubtSe in muß; aber die Feinde der Kunst verachten diese Dinge."Merkwürdiger noch ist eine ältere erste Fassung dieser Stelle, in welcherDürer seine Ansichten über das Verlöschen der alten Kunst noch deutlicherausdruckt. Die Aufschreibung muß aus einer Zeit stammen, in welcher dieEinwirkung der italienischen Renaissance im Sinne Mantegnas in Dürer noch

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