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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Als nun aber Lehrer und Schüler feindselig zerfallen, vergißt jener seinesLeitens und Strebens, seines Lehrens und Unterweisens; widersinnig tadelter nunmehr, was der Jüngling auf seinen Rat, auf sein Geheiß vollbracht hatund vollbringt; er verbindet sich mit der Menge, welche einen Künstler zusich herabziehen will, um ihn beurteilen zu können. Sie fordert Natürlichkeitund Wirklichkeit, damit sie einen Vergleichungspunkt habe, nicht den höheren,der im Geiste ruht, sondern den gemeineren äußeren, wo sich denn Ähnlich-keit und Unähnlichkeit des Originals und der Kopie allenfalls in Anspruchnehmen läßt. Nun soll Mantegna nicht mehr gelten: er vermag, so heißt es,nichts Lebendiges hervorzubringen, seine herrlichsten Arbeiten werden alssteinern und hölzern, als starr und steif gescholten. Der edle Künstler, nochin seiner kräftigsten Zeit, ergrimmt und fühlt recht gut, daß ihm eben vomStandpunkte der Antike die Natur nur desto natürlicher, seinem Kunst-blick verständlicher geworden, er fühlt sich ihr gewachsen und wagt auchauf dieser Woge zu schwimmen. Von dem Augenblick an ziert er seineGemälde mit den Ebenbildnissen vieler Mi bürger, und indem er das gereifteAlter im individuellen Freund, die köstliche Jugend in seinen Geliebten ver-ewigt und so den edelsten, würdigsten Menschen das erfreulichste Denkmalsetzt, so verschmäht er nicht, auch seltsam ausgezeichnete, allgemein be-kannte, wunderlich gebildete, ja den letzten Gegensatz, Mißgebildete dar-zustellen.

Jene beiden Elemente nun fühlt man in seinen Werken, nicht etwa getrennt,sondern verflochten. Das Ideelle, Höhere zeigt sich in der Anlage, in Wertund Würde des Ganzen; hier offenbart sich der große Sinn, Absicht, Grundund Halt. Dagegen dringt aber auch die Natur mit ursprünglicher Gewalt-samkeit herein, und wie der Bergstrom durch alle Zacken des Felsens Wegezu finden weiß und mit gleicher Macht, wie er angekommen, wieder ganz vomganzen herunterstürzt, so ist es auch hier. Das Studium der Antike gibtdie Gestalt, sodann aber die Natur Gewandtheit und letztes Leben.Da nun aber selbst das größte Talent, welches in seiner Bildung einen Zwie-spalt erfuhr, indem es. sich zweimal, und zwar nach entgegengesetzten Seiten,auszubilden Anlaß und Antrieb fand, kaum vermögend ist, diesen Wider-spruch ganz auszugleichen, das Entgegengesetzte völlig zu vereinigen, so-wird jenes Gefühl, von dem wir zuerst gesprochen, das uns vor MantegnasWerken ergreift, vielleicht durch einen nicht völlig aufgelösten Widerstreiterregt. Indessen möcht es der höchste Konflikt sein, in welchem sich jemalsein Künstler befunden, da er ein solches Abenteuer zu bestehen zu einer Zeitberufen war, wo eine sich entwickelnde höchste Kunst über ihr Wollen undVermögen sich noch nicht deutliche Rechenschaft ablegen konnte. (Goethe,Julius Cäsars Triumphzug, gemalt von Mantegna, 1820/1822.)

DAS CINQUECENTO

Das Cinquecento setzt ein mit einer ganz neuen Vorstellung von menschlicherGröße und Würde. Alle Bewegung wird mächtiger, die Empfindung hat einentieferen, leidenschaftlicheren Atemzug. Man beobachtet eine allgemeine Stei-

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