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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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dinal von Aquileja zerstört und wiederhergestellt hatte, zeigte man dem PapsteSpuren des Palastes, den einst Ascanius bewohnt. Er aber erkannte amBau der Gewölbe, daß hier vielmehr Thermen aus der Kaiserzeit gestanden.Auch an das Grabmal der curiatischen Drillinge, das man ihm wies, wolltePius nicht glauben, weil er die livianische Erzählung den Monumenten wider-sprechend fand. Am nemorensischen See, dessen Lieblichkeit ihn entzückte,hatte vor einigen Jahren ein besonderer Fund die Antiquare beschäftigt. Eswar ein Fahrzeug, welches der Kardinal Prospero Colonna durch genuesischeTaucher aus einer Tiefe von zwölf Ellen hatte hervorziehen lassen. Auchfand man im Grunde des Sees bleierne Röhren, auf welchen mit Majuskel-schrift der Name Tiberius Cäsar stand, und man schloß daraus, daß das Bootzum Vergnügen des Kaisers gedient. Pius sah davon nur noch einige Balkenvon Lärchenholz. (Georg Voigt, Enea Silvio de' Piccolomini, 1856/1863.)

LEON BATTISTA ALBERTI ALS UNIVERSALMENSCH

In allem, was Lob bringt, war Leon Battista von Kindheit an der Erste. Vonseinen allseitigen Leibesübungen und Turnkünsten wird Unglaubliches be-richtet, wie er mit geschlossenen Füßen den Leuten über die Schultern hin-wegsprang, wie er im Dom ein Geldstück emporwarf, bis man es oben an denfernen Gewölben anklingen hörte, wie die wildesten Pferde unter ihm schau-derten und zitterten denn in drei Dingen wollte er den Menschen untadel-haft erscheinen: im Gehen, im Reiten und im Reden. Die Musik lernte erohne Meister, und doch wurden seine Kompositionen von Leuten des Fachesbewundert. Unter dem Drucke der Dürftigkeit studierte er beide Rechte,viele Jahre hindurch, bis zu schwerer Krankheit durch Erschöpfung; undals er im 24. Jahre sein Wortgedächtnis geschwächt, seinen Sachensinn aberunversehrt fand, legte er sich auf Physik und Mathematik und lernte da-neben alle Fertigkeiten der Welt, indem er Künstler, Gelehrte und Handwerkerjeder Art bis auf die Schuster um ihre Geheimnisse und Erfahrungen be-fragte. Das Malen und Modellieren namentlich äußerst kenntlicher Bild-nisse, auch aus dem bloßen Gedächtnis ging nebenein. Besondere Bewun-derung erregte der geheimnisvolle Guckkasten, in welchem er bald die Ge-stirne und den nächtlichen Mondaufgang über Felsgebirgen erscheinen ließ,bald weite Landschaften mit Bergen und Meeresbuchten bis in duftige Fernenhinein, mit heranfahrenden Flotten, im Sonnenglanz wie im Wolkenschatten.Aber auch was andere schufen, erkannte er freudig an und hielt überhauptjede menschliche Hervorbringung, die irgend dem Gesetz der Schönheitfolgte, beinah für etwas Göttliches. Dazu kam eine schriftstellerische Tätig-keit zunächst über die Kunst selber, Marksteine und Hauptzeugnisse für dieRenaissance der Form, zumal der Architektur. Dann lateinische Prosadich-tung, Novellen, von welchen man einzelnes für antik gehalten hat, auch scherz-hafte Tischreden, Elegien und Eclogen; ferner ein italienisches WerkVomHauswesen" in vier Büchern, ja eine Leichenrede auf seinen Hund. Seineernsten und seine witzigen Worte waren bedeutend genug, um gesammeltzu werden; Proben davon, viele Kolumnen lang, werden in der Lebensschil-

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