zu Wort, von Satz zu Satz, von einer Schönheit zur andern mit fortgetragen,
er wußte vor Entzücken kaum, wie ihm geschah.-------
Was Enea auf dem Basler Konzil im Ankampf gegen Papst Eugen, das warder Humanismus jener Zeit überhaupt der Hierarchie und dem Glaubengegenüber. Aus seiner Jugendfülle entsprang seine Frivolität, die gegen ver-rottete Zustände überall am erfolgreichsten ankämpft. Er griff den bestehen-den Geschmack an, der im Mittelalter ebensowohl von der Kirche ausgingwie Glaube und Wissenschaft, der ihr Kind und ihr Eigentum war. DerHumanist, der den Formelkram der Rechtsgelehrten lächerlich machte,fühlte im Innern denselben Widerwillen gegen den angeschwollenen Wustder Dogmatik, wenn auch seine Worte hier vorsichtiger waren. Die Reizedes Altertums, die Sinn und Herz erfreuten, standen einmal im unlösbarenWiderspruch gegen die mönchische Formenwelt und unterwühlten ihre Machtüber die Gemüter. Folgerichtig hätte die päpstliche Hierarchie den Humanis-mus als die gefährlichste Ketzerei ausstoßen, verfolgen und ausrotten müssen.Aber sie nahm ihn vielmehr in ihre Dienste, wie Eugen einen Biondo undPoggio, oder sie nahm ihn selbst in sich auf, wie die humanistischen Päpste
vom fünften Nicolaus bis zum zehnten Leo beweisen.-------
Wenn Papst Pius II. das Gebiet der römischen Kirche durchreiste, war esihm nicht nur eine Quelle von Einkünften, nicht nur mit Kirchen und Ka-pellen, mit Klöstern und Burgen besetzt, sondern ein geschichtlich heiligesLand. Selten stieß er auf einen Ort, einen Berg oder einen Fluß, von dem ernicht etwas Altertümliches zu sagen wußte, der ihm nicht das Wort irgend-eines klassischen Autors belebte. Bei Tivoli zeigte man ihm unter andernDenkmalen der römischen Zeit auch die Trümmer einer Villa Hadrians,von welcher Spartianus berichtet. Der Papst suchte sich die Mauerstückezu deuten und ihren einstigen Zusammenhang in seiner Phantasie herzu-stellen. „Die Zeit hat alles entstellt. Die Mauern, welche einst gemalte Ta-peten und golddurchwirkte Vorhänge bedeckten, bekleidet jetzt wilder Epheu.Dornen und Brombeer wachsen, wo einst die Tribunen im Purpur dasaßen,und in den Gemächern der Königinnen wohnen Schlangen. So vergänglichist die Natur alles Irdischen!" Zu einer Reise nach Albano, die er im Maix 4^3 unternahm, bewog ihn weniger die Einladung des Kardinals Scarampo,sondern nach seinem eignen Geständnis vorzugsweise das Altertum derStätte. Auf der Straße vor der Via Appia fand er mannigfache Ruinen, be-sonders den Hippodrom von S. Sebastiano und die Stücke des großen Obelisken,der einst das Ziel der Wagenlenker gewesen. Er fand das Grabmal des Me-tellus, die Reste zerstörter Villen, die mächtigen Wölbungen einstiger Aquä-dukte. Er sah bei Albano, von Bäumen überwachsen, den Basalt der AppischenStraße, Grabmäler, ihrer Marmorbekleidung beraubt. Ja, er erkannte die Ring-mauern des alten Alba, die Fundamente seiner einstigen Gebäude und die voll-ständigen Umrisse des Theaters, dessen mittlerer Teil in den Berg eingehauenerschien, während man unter dem Brombeergebüsche noch die alten Sitze»and. Von den großen Wasserbehältern, die meistens unter dem Gestrüppeverborgen liegen und deren ein gelehrter Florentiner 30 entdeckt haben wollte,sah Pius nur 4 wohlerhaltene. In dem Schlosse der Savelli, welches der Kar-
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