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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Mit der Renaissance treten die Epikureer, der Stoiker, der naturtrunkenePantheist, der Skeptiker und der Atheist wieder auf. Und zum ersten Maleunter den jungen germanisch-romanischen Völkern erscheinen alle dieseFärbungen der Lebensstimmung und des Glaubens im offenen Tageslichteund mit offenem Visiere. Lorenzo Valla, Erasmus, Macchiavelli, Montaigne,Justus Lipsius, Giordano Bruno vertreten Lebensstellungen des Menschen.Von den italienischen Tyrannengesichtern strahlt ein diabolischer, verlocken-der Glanz von Atheismus und Epikureismus ringsum aus, und auch Fürstender alten Monarchien zeigen einen nur durch Friedrich II. im Mittelalterunter den Fürsten so repräsentierten neuen Typus freier geistiger, von derRenaissance durchtränkter Bildung. Überhaupt vermannigfachen sich nunin dieser freieren Luft, da der neue humanistische Geist nach Leben verlangt,das in der Phantasie nachgefühlt werden kann, die Charakterformen. Ganzverschiedene Typen der Lebensführung treten allmählich auf: der frommeKatholik in seinen verschiedenen Formen bis zum Jesuiten, der independenteGlaube des Protestanten, als eine einheitliche Willensverfassung, welche vonGott stammt und als solche nur Gottes Gerichte unterworfen ist, die Ab-schattungen von diesem Glauben zum Deismus hin in den Sekten, der aufder Kraft der Vernunft ruhende Philosoph, der von Epikur belehrte moderan-tistische Weltmann, endlich der atheistische Sinnenmensch. Und zugleichentsteht eine vertiefte Energie des Denkens über den Menschen und überdas moralische Gesetz unter jedem dieser Typen. (Wilhelm Dilthey, Auf-fassung und Analyse des Menschen im 15. und 16. Jahrhundert, 1891/1893.)

ENEA SILVIO ALS HUMANIST

Enea Silvio kam, um seinen eigenen Ausdruck zu gebrauchen, wie ein ebenerst flügge gewordener Vogel von der sanesischen Hochschule nach Basel,ohne bewußte Absicht, ja vielleicht ohne eine Ahnung von dem, was er hiereigentlich wollte. In einem Alter von 26 Jahren war er dem verhaßten Rechts-studium, dem Drängen der Verwandten, der bedrückenden Lage glücklich ent-laufen. Er entsagte damit dem regelmäßigen Fortkommen auf einer be-stimmten Bahn des Berufes, er stürzte sich als ein kecker Abenteurer indie bewegte Welt. Seine Bildung und seine Kenntnisse waren die einesSchöngeistes, sein einziger Zweck war, wenn man von einem solchen redenkonnte, die Erfüllung dunkler Verheißungen, die Ehrgeiz und Ruhmesliebe"n tiefsten Innern ihm vorspiegelten. Er war sich zu schöner Talente be-wußt, um sie schon in jungen Jahren einem einschränkenden Berufe dienstbarz u machen.

^as Studium des Altertums wurde damals immer noch mit einer Art vonEhrfurcht ergriffen und betrieben, es spannte den Ehrgeiz gar leicht ins"ochste und Idealische hinaus. Die Gestalten der antiken Helden und Staaten-tenker glänzten aus ehrwürdiger Ferne wie verklärt hinüber, und zumal dieder großen Autoren, die nicht durch Geburt und Umstände, sondern nurdurch sich selbst diese Götterhöhe erreicht, waren ganz geeignet, in einerJugendlichen Seele das Feuer des Nachstrebens zu entzünden. Redner wie

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