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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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dies Quid pro quo von mir forderte, wäre, wo nicht ein Heuchler, ein Tor, sodoch ein sehr spaßhafter Religionsstifter.

Lehrmeinungen an Ort und Stelle sind sehr zu ehren; die Geschichte derselbenist eine Zeugin des fortstrebenden, wenn auch nicht immer des weiter ge-langenden Menschenverstandes, seiner rastlosen Phantasie und Spekulation.Auch in der Christengeschichte ist die Fortleitung und Ausspinnung derDogmen, so wie die ganze Ketzergeschichte, gewiß nicht ihr unmerkwürdigsterTeil; manches gejagte oder losgebundene Roß schlug eben im Strauchelndie hellsten Funken. Daß aber die Aristotelisch-scholastische oder irgendeineandere Religionsphilosophie Religion werden sollte, daran haben weder DunsScotus, noch Petrus Lombardus, noch irgend ein andrer seraphisch-angelischerDoktor gedacht, wenn sie gesunden Verstandes waren. Sie dozierten, dok-torierten, disputierten. Die Staatsreligion ging daneben ihren Gang fort,die Mystik den ihrigen; und das Christentum blieb, was es war, ein heiligerSame, hie- und dahin geworfen, in jedem guten Lande aber fruchtbar und seinerNatur nach frei von allen Systemen. (Herder, Von Religion, Lehrmeinungenund Gebräuchen, 1798.)

VERFOLGUNG DERVERNÜNFTIGEN" RELIGION

Daß die Intoleranz und Verfolgung in der ganzen Christenheit, gleichsamdurch eine gemeinschaftliche Verabredung hauptsächlich und fast alleinwider die vernünftige Religion gerichtet ist, das macht die Unbilligkeit nochgrößer und gereicht dem Christentume, besonders den Protestanten, zum un-auslöschlichen Schandflecken. Denn die katholischen Mächte und Geist-lichen dulden in ihren Ländern, wo das Papsttum herrscht, ohne Unterschiedkeine einzige fremde Religion; ein jeder Einwohner und Bürger soll und mußsich zu dem katholischen Glauben bekennen oder das Land räumen. DieProtestanten hingegen sind gemeiniglich für die Toleranz und verstatten sonstallen Sekten in und außer der Christenheit ein freies Bekenntnis und einenöffentlichen Gottesdienst unter sich, ohne davon Unruhen im Staate zu be-fürchten oder im geringsten zu erfahren. Man findet, zumal in Holland,Katholiken, Lutheraner, Arminianer, Presbyterianer, Bischöfliche Engländer,Mennoniten, Synkretisten, Quäker, Separatisten, Fanaticos, Zinzendorfianer,Griechen, Armenier, häufig portugiesische und deutsche Juden ungestört unterden Gliedmaßen der herrschenden reformierten Kirche wohnen, und manlaßt einen jeden nach seiner Einsicht und Gewissen Gott verehren. Und sogibt es in England und den englischen Kolonien, wie auch in gewissen Städtender dänischen und schleswig-holsteinischen Botmäßigkeit, allerlei Sektenund Religionen, die ohne Unterschied gehegt und geschützt werden. Ich willnicht sagen, daß unter dem russischen Gebiete noch außer den Christen vieleTürken und mancherlei Heiden stehen. Aber diejenigen allein, deren Religioneinigermaßen nach der gesunden Vernunft schmeckt, als Arianer und Socinianer,°der die gar keine Offenbarung erkennen und bloß vernünftig denken oderleben wollen, die sind es, welche in der ganzen Christenheit sich nirgend einerbürgerlichen Toleranz zu getrösten haben, sondern allenthalben ausgestoßen,

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