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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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bot ihm ferner die Form dar, in welcher die allgemeine Vereinigung der wahrenChristen zunächst in der persönlichen Freundschaft erreicht wurde, um danndurch die nahe bevorstehende Vollendung der Kirche gerechtfertigt zu werden.Ich will", sagt er,weder Kalvinist noch Herrnhuter, noch Pietist heißen;das alles stinkt nach dem Sektengeist; ich bekenne mich allein zu der LehreJesu und seiner Apostel und trage dabei zum Unterschiede der verschiedenenpolitisch festgesetzten Religionsgesellschaften die Uniform der evangelisch-reformierten Kirche, bis es dann endlich zu den weißen Kleidern kommt."(Albrecht Ritschi, Geschichte des Pietismus, 1880/1886.)

SCHATTENSEITEN DES PIETISMUS

Die ersten Anfänge des Pietismus zeigen noch den ganzen Einfluß des Pro-testantismus, aus dem sie hervorgegangen. Die ersten Pietisten wollten nurden reinen Protestantismus darstellen, in derselben Weise, wie die Jesuitenden reinen Katholizismus. Daher sind sie auch ein vollkommenes Gegenbildder Jesuiten. Die innige Gemeinschaft mit Jesus, die Bußfertigkeit, die Zer-knirschung, die Entzückung und die Visionen, endlich die aufopfernde Dienst-fertigkeit, die Bekehrung der Heiden, die Missionen nach fremden Weltteilensind beiden gemein, nur daß die Jesuiten die Zwecke der Hierarchie verfolgten,während die Pietisten das nach ihrer Meinung Gute um seiner selbst willentaten. Die Pietisten wollten anfangs nur einen geläuterten Protestantismusund sich keineswegs von der protestantischen Kirche trennen. Wo dies ge-schah, war es doch immer nur im Namen des reinen Protestantismus, undschon daß es geschah, zeigt noch von dem Einfluß des alten Systems. Indemsie eine äußere Kirche gründeten, huldigten sie noch gleich den übrigenProtestanten nicht sowohl dem Gefühlsglauben allein, sondern auch einemWortglauben, einer bestimmten Lehre. Daher sind auch ihre kleinen Kirchenganz nach dem Typus der protestantischen gebildet. Wie die Protestanten sichin Lutheraner und Reformierte trennten, so die Pietisten in Herrnhuter undMethodisten. Wie die Lutheraner sich im nördlichen Deutschland in einerfesten und einigen Kirche gründeten und Luther gleichsam als ihren Monarchenanerkannten, so taten die Herrnhuter in demselben Lande dasselbe und ihrMonarch war Zinzendorf. Wie die Reformierten dagegen in der Schweizhier Zwingli, dort Calvin anhingen, so folgten die Methodisten in Englandhier Wesley, dort Whitefield.

In diesem Chaos zeigen sich eine Menge unreife und verderbte, traurige undabschreckende Erscheinungen. Die Gemütskraft weiß sich noch nicht von denEinflüssen der Sinnlichkeit und einseitigen Verstandesrichtungen zu befreien.Diese fremden und widersprechenden Einflüsse richten daher große Verir-rungen und Zerrüttungen in den Gemütern an und treiben zu Unnatur undWahnsinn. Nicht das Gemüt ist schuld daran, sondern nur die Sinnlichkeitund eine falsche Verstandesbildung, welche sich der im Gemüt liegendenungeheuren Kräfte bedienen und sie mißbrauchen. Selbst Betrug mischt sichein, Scheinheiligkeit, Eitelkeit, Eigennutz. Daher finden wir unter den Pie-tisten sinnliche verderbte Menschen, die mit den Gegenständen ihrer glühen-

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