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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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Zinzendorf erreichte, was er erreichen wollte:nicht eine Reformation derWelt, sondern", wie ers nannte,eine Konservation der Seelen des Heilandesund deren Sammlung auf seine näher herannahende Zukunft". Diese Seelen-sammlung hat er bewirkt. (Herder, Adrastea, 1801/1804.)

JUNG-STILLING ALS PIETIST

Jung-Stilling ist, wie er selbst bezeugt, im Pietismus erzogen worden. SeinVater, in dessen Familie kalvinistische Einfachheit des Lebens überliefertwar, begab sich in der Trauer über den frühen Verlust seiner Frau in den Ver-kehr mit einer Gesellschaft von Frommen, die sich in der Nähe seines Wohn-ortes angesiedelt hatten. Wie aus des SohnesLebensgeschichte" hervor-geht, haben sie den Grundsatz der Nachahmung Christi in dem Verzicht aufdie Welt und in der Übung der Willenlosigkeit geltend gemacht; sie warenalso quietistische Mystiker. Unter dem Einfluß dieser Methode wurde Stil-ling von seinem Vater erzogen und bis in sein 14. Lebensjahr in vollster Zu-rückgezogenheit gehalten. Seine lebhafte Einbildungskraft fand ihre Nah-rung teils an den Sagen von der schönen Melusine und dergleichen, teils anReitz' Historie der Wiedergeborenen und Gottfried Arnolds Schriften. Allediese Stoffe hat er in seinem Leben nicht vergessen. Diese zweiseitige Lektüredes Knaben ist nun vorbildlich für die Stellung, welche nachher der Mannbehauptet hat. Er ist nämlich der erste, der das Konventikelgewand mit demGesellschaftskostüm vertauscht hat. Schon Lavater hat sich in dieser Rich-tung bewegt; indessen sein geistlicher Stand läßt die bezeichnete Veränderungweniger deutlich erkennen. Stilling ist nicht nur weltlichen Standes gewesen,sondern von Jugend auf haben seine mannigfach wechselnden Schicksaleihn mit vielseitiger Welterfahrung und mit Interesse an allem möglichen aus-gerüstet. Bis in sein dreißigstes Lebensjahr stand er nun im Zusammenhangmit dem Pietismus und seinen Konventikeln im Bergischen Lande. Als eraber darauf sich entschlossen hatte, Medizin zu studieren, gewann er in Straß-burg die Teilnahme an der Bewegung der deutschen Literatur, und hiermiterschloß sich ihm ein Gesichtskreis, welcher von dem Interesse seiner bisherigenGenossen weit ablag. Sein Antritt der ärztlichen Praxis in Elberfeld fernernötigte ihn, in weltförmiger Erscheinung, mit Perücke und Haarbeutel, mitHals- und Handkrausen aufzutreten; darum aber zogen sich die früherenFreunde, die ihn, wie er sagt, ehemals als Engel Gottes empfingen, von ihmzurück; und da er keine ihrer Versammlungen mehr besuchte, so achtetensie ihn für einen Abtrünnigen, übten ihr Gericht an ihm und verleumdetenihn.

Dieser Zusammenstoß ist der Anlaß dazu, daß Stilling wiederholt die Gesamt-erscheinung des Pietismus ungünstig beurteilt. Er rügt hauptsächlich dieIntoleranz, die in ihm gepflegt wird, sagt aber auch in seiner Lebensbeschrei-bung ganz unumwunden, daß die Pietisten den Schild der Religion und Gottes-furcht aushängen und dann doch nicht tun, was ihnen Religion und Gottes-furcht gebieten. Indessen nicht nur nahm er von diesen Urteilen die Recht-schaffenen und Aufrichtigen immer aus, sondern seine Überzeugung vom

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