fröhlich einbringen mit Lob und Dank." Acht Tage darauf ward er untereinem Gefolge von 2100 Leichenbegleitern und 2000 Fremden in größter Ord-nung und Stille mit Ehrerbietung beerdigt. Zweiunddreißig Prediger undMissionare, deren einige aus Holland, England, Irland, Nordamerika undGrönland in Herrenhut eben anwesend waren, trugen wechselnd den Sargunter Begleitung der ganzen Gemeine mit Musik und Gesang, unter anderndes Liedes:
Ei wie so selig schlafest du,
Und träumest süßen Traum!
„Über ganz Herrnhut", heißt es, „waltete in dieser Stunde ein allgemeiner,herzrührender, stiller Friede."
Solche Wirkungen hervorzubringen, wurden Kräfte erfordert; entschiedenweckte diese im Grafen Zinzendorf ein unablässiger Eifer, wie ers nannte,für seines Heilands Sache, von Kindheit und Jugend auf. Nichts konnte ihnabwendig machen oder ermüden, Seelen für ihn zu sammeln und zu ver-binden; so drohende als überstandene Gefahren lockten ihn dazu an. Wider-spruch machte ihn behutsamer, aber auch fröhlicher und kühner. Die un-glaubliche Leichtigkeit, mit der er sein Werk trieb, tausenderlei gefällige Ein-gänge, die ihm dabei zu Gebot standen, eine Kühnheit mit Klugheit und Vor-sicht, eine Heiterkeit, bei der er die Gegenwart des Geistes nie verlor, eine Po-pularität, die sich bisweilen zum Gemeinen herabließ, vor allem aber Lust undLiebe zu seinem Werk, charakterisieren ihn in Handlungen und Schriften,in Predigten und Liedern. Naturell (wie er es nennet) und herzlich zu sein,ist allenthalben, oft nicht ohne einige Anstellung sein Bestreben; dazu standihm die Sprache sehr biegsam zu Dienst; über alles, über Glaubensartikelund Sittenlehren, über Geheimnisse und Offenbarung spricht er seine Kon-versationssprache, oft Französisch-Deutsch, aber frei und frank, ohne Scheu,was man davon sagen werde. Er gab seiner Gemeine also, ohne daß ers ebenwollte, eine eigne vertraute Hof- und Herzenssprache, mit ihrem Mann unddessen Mutter, dem Geist zu reden, so wie mit Brüdern und Schwestern unter-einander.
Nicht leicht läßt sich eine biegsamere Anstelligkeit denken, als dem Grafenzuteil geworden war. Ob er gleich, sobald er den geistlichen Beruf wählte, seinenStand und dessen Vorzüge aufgegeben, so wußte er diese doch in jeder kleinenund großen Beziehung so unübertreffbar zu nutzen, daß man unschuldigerweisesagen könnte, er spielte wie mit seinem angeborenen, so auch mit seinem an-genommenen Stande. Hofmeister, Graf, Prediger, Mährischer Bischof, Herrvon Thurnstein, von Kochao, Bruder Ludwig, Pastor und Inspektor, Ordi-narius seiner Gemeinen, ihr Gesetzgeber und Bruder, ihr Vorsteher und Diener;wußte er nach Ländern und Klimaten, nach Zeitumständen und Situationenallen allerlei zu werden, damit er nirgend und nie seinen Zweck verfehle.Nachreden und Gerüchte waren ihm für die Person gleichgültig; er wußtesie aber auch zum Besten seiner Sache zu lenken, wenigstens die Nachteile,die daher entsprießen möchten, zu mindern, worin ihm dann mehrere seinerMitbrüder, insonderheit sein treuer, kluger, erfahrner Spangenberg beistand.
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