Druckschrift 
3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

Leipzig, Freiberg, Meißen, Chemnitz abgeschnitten, wir werden von Boheimgetrennt. Das ganze Land ist schwedisch gesinnt, der König findet Lebens-mittel in Menge, er erhält gute Winterquartiere und kann, gut genährt, hernachdas Kriegstheater nach Boheim und in die andern Erbstaaten versetzen. DesKaisers Koffer sind leer, die erschöpften Untertanen können nicht einmaldie letzten Auflagen zahlen, noch viel weniger können sie neue entrichten.Unsre Alliierten sind überwältigt, zwei Drittel von Deutschland sind verloren,eine Bataille ist das einzige Mittel, des Kaisers Partei neu zu beleben, seinerWaffen Ehre wieder herzustellen. Durch einen Rückzug verderben wir alles.Unsre Macht steht beisammen, die Generale leben einverständig, die Truppensind schlachtbegierig. Ohne Schlacht werden wir nicht lange mehr hier aus-dauern können. Des Feindes Angriffe, die Kälte, Hunger und MißvergnügenWerden unser Volk verringern, der König wird es teilweise aufreiben. EinSieg hat jetzt den Wert von Deutschlands Hälfte, und er wird die nämlichenFolgen haben, welche der Feinde Sieg bei Leipzig im vorigen Jahr hatte. Niewerden wir wieder eine so große Armee beisammen haben. Der größten Wahr-scheinlichkeit nach tragen wir den Sieg davon, hauptsächlich dann, wenn wirden Pappenheim zu uns rufen."

Friedland zog auf die Ebene bei Lützen und rief Pappenheim auf das Eiligstevon Halle zurück.

Auf beiden Seiten der Ebene liefen Gräben. Die Kaiserlichen vertieften den aufihrer Seite, und Füsiliere wurden hineingelegt. In vier großen Vierecken standdas Fußvolk. Auf beiden Flügeln hielt die Reiterei. Waldstein hatte auf demrechten zwischen beiden Reihen der Reiter noch ein Viereck des Fußvolkesgestellt: für den linken hoffte er die Verstärkung durch Pappenheim. In finstrerNacht wurde die Schlachtordnung so gestellt.

Uen Abend vor der Schlacht war Waldstein auf der Ebene von Lützen ange-langt: noch später kam der König von Schweden und lagerte sich ihm gegen-über. In zwei Treffen teilte er seine Armee, auf dem rechten Flügel komman-dierte er selbst, auf dem linken Bernhard von Weimar. Die ganze Nachtbrachte er zu im Gespräch mit seinen Feldherren. Zwanzig Tausend Mannhielt er hinlänglich gegen die dreißig Tausend Waldsteins.Für den Ruhm der beiden größten Feldherren Europas waren beide Heere be-geistert. Sie wollten nun entscheiden, wer in einem Kampfe auf ebenemFelde bei Nürnberg gesiegt hätte. Die gespannte Welt sollte nun wissen,Welcher Anführer der größere, welches Heer das tapfere sei; für mancheGeister sollte auch entschieden werden, welcher Gott der mächtigste, ob derKatholiken oder der Evangelischen Beschützer.

Selbst an dem dämmernden Abend hätte Gustav noch gern geschlagen, eheFappenheim zurückkam. Allein es war so unmöglich, als früh am folgendenTage. Ein dicker Herbstnebel lag da auf dem Felde: nur die leichten Reiterkonnten sich in demselben begegnen. Geistliche Lieder tönten von den Schwe-den zum Feinde hinüber, besonders der Gesang: Eine feste Burg ist unserGott! Der Nebel verzog sich gegen Mittag. Das schwere Geschütz donnertea uf beiden Seiten. Wiederum dichter senkte sich der Nebel von neuem auf denSchauplatz der Vernichtung. Endlich bricht die Sonne allmählich durch, und

37