zugleich funkelt die Wut aus den Augen beider Heere gegeneinander. Gottmit uns! riefen die Schweden; Jesus Maria! die Kaiserlichen.Gustavs Krieger stürzten an den Graben des Feindes: der Füsiliere Feuer,des schweren Geschützes Donner lockte sie in ein Blutbad, in einen Walddurchbohrender Spieße und Lanzen. Der König ergriff eine Lanze und führteseine Krieger von neuem zum Graben. Endlich durchbricht ein Regiment diefeindliche Linie. Ungestüm drangen die Schweden weiter und eroberten einenTeil der kaiserlichen Batterie und richteten die Kanonen derselben auf dieVierecke des Fußvolks. Plötzlich schuf Waldstein Ordnung. Sein Geschützwird wieder erobert, die Schweden werden bis an den Graben zurückgedrängt.Unwiderstehlich stürmt Gustav mit der Reiterei herbei, zum zweitenmal er-obern seine Krieger das feindliche Geschütz, der linke Flügel Waldsteins flieht,und Gustav eilt, dem ankommenden Pappenheim zu begegnen. Indem er miteinem Reitergeschwader hinwegflog, zerschmetterte ein Schuß seinen linkenArm, stürzten ihn zwei Schüsse entseelt zu Boden.
Bernhard von Weimar bekam die traurige Kunde mitten im härtesten Kampfmit dem Feinde. Der König ist gefangen! rief er: ihn zu befreien raseten dieSchweden. Sie eroberten die Batterie des rechten Flügels. Tödlich verwundetsank Pappenheim auf das Schlachtfeld und hauchte bald seinen Geist aus.Mit demselben schwand der Mut der Kaiserlichen. Umsonst war WaldsteinsToben: er mußte das Schlachtfeld an Bernhard von Weimar überlassen.Mehrere Kugeln hatten in der Schlacht Friedlands Mantel durchlöchert, voneiner war er leicht beschädigt; aber seine Verachtung des Todes hielt denselbenvon ihm entfernt. Düster und stürmisch wie die Herbstnacht war sein Ge-müt; schweigend kam er um Mitternacht mit einem kleinen Geschwadernach Leipzig, ein Flüchtling, indem Bernhard von Weimar in Schlachtord-nung blieb und die Erneuerung des Kampfes am folgenden Tage erwartete.Sie war unmöglich für den geschlagenen Feldherrn; denn sein ganzes Geschützwar verloren, sechs Tausend seiner Krieger lagen tot auf dem Schlachtfelde,die Zahl der Schwerverwundeten war groß, einige seiner tapfersten Anführerwaren geblieben, unter seinen zerstreuten Scharen galt nichts als die Stimmeder Furcht. Dagegen brannten die Schweden vor Wut, den Tod ihres Königsdurch gänzliche Vernichtung des Feindes zu rächen. Ansehnliche Verstär-kung zog ihnen zu. In dem Lande, welches der Schauplatz des Krieges war,fanden sie Freundschaft, aber Waldstein gewiß gänzlichen Untergang durchdie Erbitterung der Einwohner, wenn sein Heer, von neuem geschwächt,keinen Schrecken mehr einflößte.
Er eilte mit seinem zerrissenen Heere nach Böhmen, um in den kaiserlichenErbländern sich eine neue kriegerische Macht zu bilden. Vor dem Rathausezu Prag ließ er ein Blutgerüst errichten und auf demselben viele Krieger vonjedem Range, welche der Feigheit und Zügellosigkeit an dem Tage bei Lützenangeklagt wurden, durch den Henker enthaupten. Fürstlich beschenkte erzugleich diejenigen, welche sich durch Tapferkeit und Besonnenheit in derSchlacht ausgezeichnet hatten. Dem Feldmarschall Holck stellte er frei,aus vier genannten böhmischen Herrschaften, deren jede aus sechzehn oderachtzehn Dörfern bestand, sich eine zum Eigentum zu wählen. Ottavio Picco-
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