Bayern jene Stadt belagerten. Es gelang, die Befehlshaber in derselben zubewegen, daß sie gegen eine bedeutende Summe den Platz übergaben. IhrFeldherr ließ sie dafür zum Teil mit dem Strange hinrichten; denn er hattedraußen nur neue Kräfte sammeln wollen, um den Krieg in Böhmen destofurchtbarer fortzusetzen. Die weitere Entwicklung des Dreißigjährigen Kriegeswollte nicht, daß er diese Absicht ausführte.
Inzwischen begann die Regierung eine gänzliche, doch allmähliche Umwand-lung Böhmens mit Verweisung der kalvinistischen Prediger. Eine Zeit darauflegte man auch der lutherischen oder evangelischen Geistlichkeit Bedingungenvor, unter welchen allein sie in ihrem Kirchenamte bleiben durfte; und dieseBedingungen waren ihr unannehmbar. — —
Ferdinand glaubte den Majestätsbrief vernichten zu müssen, was freilich beieinem konsequent gerechten Verfahren auch dem Blutgerichte und jeder ge-walttätigen Handlung hätte vorausgehen sollen. Kraft seiner Machtvoll-kommenheit erklärte er nun denselben für nichtig, ließ das Siegel von demOriginal abreißen und die Unterschriften von Kaiser Rudolph und dem Oberst-burggrafen Adam von Sternberg durchschneiden.
Darauf erfolgte der Befehl, daß alle nichtkatholischen Prediger und Schul-lehrer aus Böhmen vertrieben werden sollten; und kaiserliche Beamte durch-zogen mit Dragonern das ganze Land, um diese Männer, denen immer vieleEinwohner mit ihrer Habe folgten, nebst Weib und Kind über die Grenze zubringen. Vor allen mußten auch die unkatholischen Lehrer am Karolinumvon ihren Ämtern weichen, und dieses berühmte Institut, von welchem dasHussitentum ausging, geriet ganz in die Hände der Jesuiten am Klementinum.Nun sprach der Kurfürst von Sachsen nachdrücklicher und erinnerte, daß erden Kaiser gern in Verteidigung seiner Rechte und seiner Erbländer unter-stützt habe, aber eben deswegen nicht gleichgültig ansehen könne, wenn sichderselbe um die schönsten Früchte des Sieges brächte, um den evangelischenGlauben zu unterdrücken. Er selbst werde bei seinen Glaubensgenossen inDeutschland dadurch in ein gehässiges Licht gestellt. Allein weit mehrwirkte auf Ferdinand Karaffas Gegenerinnerung, daß in der Sorge um dasEwige keine zeitliche Rücksicht bedacht werden könne. (Karl Ludwig vonWoltmann, Inbegriff der Geschichte Böhmens, 1815.)
DIE SCHLACHT BEI LÜTZEN
Ohne weitere Hilfstruppen beschloß Gustav den kaiserlichen Feldherrn an-zugreifen, ehe er Pappenheim zurückrufen konnte. Waldstein wußte sogleich,daß die Schweden in Schlachtordnung von Naumburg gen Weißenfels zogen.Ein dreimal wiederholter Kanonendonner von Merseburg her rief seine Re-gimenter zusammen. Sein Astrolog Seni sah des Zodiakus Kaltsinn gegenGustav Adolf den ganzen gegenwärtigen Monat, den November hindurch.Auch rieten die triftigsten Gründe zur Schlacht. „Wir müssen jetzt", sagteder Feldmarschall Holck zu Waldstein, „auf den König marschieren, ehe dieSachsen und Lüneburger mit ihm sich vereinigen. Ihn schützt jetzt keineVerschanzung; er muß im freien Felde schlagen. Tun wir es nicht, so wird
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