demselben Tage gevierteilt, und bei den Jesuiten fehlte es nicht an der Bemer-kung, daß dieser Tag der neunte Juni sei, an welchem sie vor einem JahreBöhmen schmählich verlassen mußten, unaussprechlich ergrimmt über Aus-druck und Beschuldigungen des Verbannungsbeschlusses, welchen Frühe-wein verfaßt hatte.
Weil Bouquoi schon vor einiger Zeit nach Mähren abgezogen war, hielt manPrags Besatzung unter Tilly nicht für stark genug, um das Blutgericht aus-führen zu dürfen. Deswegen rückten am 17. Juni 1621 sieben Schwadronensächsischer Reiter unter dem Herzog von Sachsen-Lauenburg ein, und denfolgenden Tag ward an dem Rathause der Altstadt ein Blutgerüst errichtet,zu welchem eine Tür des Rathauses hinaufführte. Am neunzehnten brachteman dreiundzwanzig Gefangene bürgerlichen Standes aus den Gefängnissender Alt- und Neustadt und zweiundzwanzig Herren und Ritter aus dem weißenTurm in das Schloß zusammen. Einer ward nach dem andern vor die Richtergeführt, und siebenundzwanzig von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Diesengestattete man eine Frist von zwei Tagen, binnen welcher sie die Besuche ihrerFamilien und Freunde annehmen dürften. Nur den Utraquisten unter ihnenerlaubte man, Geistliche ihrer Religion zu sehen, nicht den Picarden, nichtden Kalvinisten. Die Jesuiten und Kapuziner waren sehr bemüht, einige derVerurteilten zum katholischen Glauben überzuziehen; doch es gelang ihnenbei keinem. In der Frühe des zwanzigsten Juni erschien eine große Scharvon Frauen, Kindern, Verwandten der Verurteilten vor dem Hause des Statt-halters und flehten um Gnade für sie unter lautem Weinen und Wehklagen.Lichtenstein durfte ihnen keinen Trost geben, und gegen Abend ward das Blut-gerüst am Rathaus mit schwarzem Tuch überdeckt. Die Gefangenen,welche hier nicht verwahrt wurden, brachte man in verschlossenen Kutschennoch an diesem Tage dahin. Früh am andern Morgen um fünf Uhr hörte dieStadt einige Kanonenschüsse der Burg fallen und wußte, daß nun das Todes-urteil an vielen ihrer kräftigsten und talentvollsten Männer, die lange einGegenstand öffentlicher Verehrung gewesen, vollzogen werden sollte. AlleTore wurden gesperrt, auch das Brückentor, alle Gassen, die zum großen Ringder Altstadt führen, mit Truppen besetzt, die ohne Unterbrechung die Trommelrührten; der Platz selbst mit drei Fahnen Fußvolk und zwei Fahnen Reiter.Kürassiere zogen ohne Unterbrechung durch alle Gassen, und auf allen Plätzenhielt außerdem Mannschaft. Die kaiserlichen Richter nahmen ihren Sitzauf dem Altane des Rathauses, mit ihnen Burgemeister und Ratsmänner derAltstadt. Ein Regenbogen spannte | sich über das Blutgerüst hin, und derHimmel fing an zu tröpfeln; aber der heiterste Tag breitete sich bald über den
schauerlichen Anblick.-------
Vielleicht hätte Ferdinand das blutige Schauspiel zu Prag weniger nötig ge-glaubt, wenn Böhmen schon ganz in seiner Gewalt gewesen wäre. Mansfeldhatte die Sache Friedrichs von der'Pfalz noch nicht verlassen, als dieser selbstsie aufgegeben, und führte den Krieg mit bewundernswürdiger Gewandtheit,Raschheit und gleich großer Raubgier in Böhmen fort. Er hatte daselbst meh-rere haltbare Punkte inne, doch an Pilsen fortdauernd einen herrlichen Waffen-platz. Er selbst war nach der Oberpfalz gezogen, als die Kaiserlichen und
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