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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
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und gewaltsamer Andersdenkenden das Recht der freien Meinung und selbstdes Lebens bestritten worden, als in den Tagen der nun zur völligen Rücksichts-losigkeit durchdringenden Gegenreformation, als während des Wütens desDreißigjährigen Krieges. (Cornelius Gurlitt, Geschichte des Barockstils inItalien, 1887.)

GEGENREFORMATION UND KIRCHLICHE BAUKUNST

Dem Norden gelang zu einem großen Teile der Abfall von der alten Kirche.Diese selbst aber hätte sich aufgeben müssen, hätte sie nicht die Kraft gehabt,die Quellen der Religiosität wieder aufzudecken; so kam die Gegenrefor-mation. Die Kirche sollte verjüngt werden. Aber sie war nicht mehr die an-erkannte Macht, wie im Mittelalter. Sie war nur mehr ein Kämpfer untermehreren; an die Stelle der diktatorischen Gewalt mußte die Propagandatreten. Aus dem heiligen Eifer dafür entstand die Gesellschaft Jesu. IhrGeist formte den römischen um. Die Päpste der Renaissance waren Mäcenegewesen, auch Mäcene des antiken Roms, dessen Reste sie ehrfürchtig aus-gruben und erhielten. Die ersten Barockpäpste waren dem allen geradezufeindlich. Das Entscheidende ist, daß es in der ganzen Welt wieder um see-lische Dinge ging in einer Welt, die durch die Renaissance geformt warund die Renaissance niemals vergessen konnte, die sich bewußt in das Dies-seits gestellt hatte und, kaum getan, die alten Rätsel in höheren Gestaltenwiederkehren sah. Während im protestantischen Norden die Kirche das Ver-antwortungsgefühl des Menschen durch das Ohr aufsuchte, mußte sie in derkatholischen Welt auf seine ganzen Sinne zu wirken trachten. Und so gerietdie barocke Baukunst auf die Bahn, von der aus sie die eine und vielleichtdie herrlichste Seite des deutschen Barocks gewinnen mußte. Das Problemdes Kirchenbaues kam in neuen Fluß; der starke Willensdruck der Gegen-reformation legte sich verstärkend auch hinter das Schaffen der Baumeister.Er sorgte dafür, daß alle Wandlungen und Steigerungen des formalen Willensdem Kirchenbau vor allem zugute kamen, daß jede seiner Bereicherungenauch den Kirchenbau bereicherte. So gab es immer wieder Räume von er-habenem Zweck zu schaffen, für die der Bauherr selbst nichts lieber wollteim großen Gegensatze zur potestantischen Kirche als das unbedingt mäch-tigste Aufgebot alles dessen, was als schön und groß empfunden wurde. DerKirchenbaumeister durfte freier werden als je zuvor; auch die allerpersön-lichsten Absichten auf Schönheit mußten den Absichten der Kirche gleich-gesetzt werden, der Architekt sollte Zaubermeister sein. Die letzte Phase inder schöpferischen Entwicklung des christlichen Kirchenbaues begann. Siebrachte zunächst, noch immer von Rom aus, noch einmal einen festen Typus,den Typus der Jesuitenkirchen. Dieser bedeutet die letzte Welle in einer gro-ßen geschichtlichen Bewegung, die dem Auf und Ab von Ebbe und Flut derreligiösen Stimmung entspricht. Die altchristliche Basilika war ein ausge-sprochener Längsbau gewesen, den ein halber Zentralraum geschlossen hatte ein mehrschiffiges Langhaus mit Apsis. Es war die praktisch und sym-bolisch gleich richtige Folge der Notwendigkeit, die Menge der Gläubigen und

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