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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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den Priester, den Gemeinderaum und die Altarstätte einander gegenüberzu-bringen. Die Romanik hatte ohne damit ganz durchzudringen doch einestarke Neigung zum Zentralbau gehabt, zur einheitlichen Gruppenbildunggegenüber der Aufreihung der Formen in der Tiefe. Die Gotik brachte zu-gleich mit der Höhenrichtung eine erneute energische Betonung des Längs-baues. Die Renaissance dagegen hob den Kontrast von Gemeindehaus undAltarraum so weit als irgend möglich auf: wohl erkennbar in den Hallenkirchendes Nordens, mit allergrößter Entschiedenheit im Zentralbau Italiens.Das ergibt eine große Wellenbewegung eine Bewegung in der Spirale, wieGoethe das nannte, in der die Romanik mit der Renaissance, das Früh-christliche mit dem Gotischen sich auf gleicher Linie treffen; und diese Wellen-bewegung ist nichts Zufälliges. Immer wenn der lebendige kirchliche Sinn,wenn die Bedeutung der gläubigen Gemeinde im Vordergrunde stand, warder harmonische Gegensatz eines Langhauses zur Altarregion das natürlichGegebene. Jedesmal, wenn die Anliegen der Gemeinde zurücktraten, wenndie religiösen Massenbewegungen zurückebbten, erstarkte der formale Trieb,den Bau zu vereinheitlichen, womöglich zu zentralisieren, wie es im allgemeinennur bei sachlich gegebenen Mittelpunkten, bei Grab-, Privat- und Taufkirchensich von selbst ergab. Geschah dies aber, so trat jedesmal ein Mönchsordenauf, der dagegen die Rückkehr zum elementaren Christentum und damit ganzvon selbst die Rückkehr zur Urform der christlichen Gemeindekirche, zumLanghause mit halbzentralem Abschluß, predigte. So war es noch innerhalbder Romanik schon einmal mit den Cluniacensern gewesen. So hatten anihrem Ende die Zisterzienser als die Wegmacher der Gotik gearbeitet. Undgenau so traten am Ende der Renaissance die Jesuiten auf. Die Baugeschichtedes römischen Petersdomes ist das lehrreichste Beispiel. Michelangelos Ent-wurf war, indem er die systematische Anordnung, die er vorfand, bis zumleidenschaftlich bewegten Organismus steigerte, schon ein Barockentwurfgewesen aber es war immerhin noch wesentlich ein Zentralbau. Auch diesfreilich nicht mehr ganz: er gab durch eine vierzehnsäulige Vorhalle im Westendem Bau schon eine einseitig klare Richtung an Stelle der vier ganz gleich-berechtigten sternförmig vom Mittelpunkte ausstrahlenden Kreuzarme desBramante. Die Jesuiten, die Kirchlichen überhaupt, wollten viel mehr, undsie haben in hundertjährigem Kampfe gesiegt. Sie wollten den Anbau einesLanghauses und haben ihn zu Anfang des 17. Jahrhunderts erreicht. (WilhelmPinder, Deutscher Barock, 1913.)

GEGENREFORMATION IN STEIERMARK UND BÖHMEN

Der neue König der Böhmen war ein Enkel Kaiser Ferdinands des Ersten,Sohn des Erzherzogs Karl von Österreich und Marias, einer bayrischen Für-stin. Geboren zu Grätz am 9. Juli 1578, war er schon in seinem elften Jahrenach Ingolstadt in die Schule der Jesuiten geschickt, die ihm nach fünf Jahrendas Zeugnis gaben, daß er ein herrlicher politischer Philosoph und ein rechts-erfahrener Justinian sei. Kaum war ihm in seinen Erblanden gehuldigt, soging er unbekannterweise nach Rom, dort eine Zeitlang bei den Jesuiten zu

3 Wolters, Der Deutsche. III, 1. »o