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3 (1926) Die Neuzeit im deutschen Bereich
Entstehung
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kosten und den Körper schwächen, also für einen Kriegsmann am wenigstentaugen, waren den Jesuiten nur in mäßiger Anwendung gestattet. Sie hattenvielmehr ihre ganze Sorge darauf zu richten, sich für die großen und wesent-lichen Aufgaben des Ordens rüstig und gerüstet zu halten. Gebärde, Gang,Haltung, Kleidung waren genau vorgeschrieben. Die Kleidung durfte nichtvon jener zynischen Vernachlässigung sein, in der sich manche Mönche ge-fielen, vielmehr zwar, wie es der Armut gezieme, bescheiden, aber anständig,von soldatischer Propretät. Nach denRegeln der Bescheidenheit" hatte derJesuit den Kopf etwas nach vorwärts zu neigen, die Augen zu Boden zu senken,die Stirn nicht in Falten zu legen, die Lippen weder zu fest zu schließen, nochzu weit zu öffnen, das ganze Antlitz mehr Heiterkeit als trüben Sinn wider-spiegeln zu lassen, langsam und würdevoll einherzuschreiten. (JohannGustav Droysen, Geschichte der Gegenreformation, 1893.)

DIE JESUITEN

Zum Glück für die alte Verfassung tat sich ein neu entstandener Orden hervor,auf welchen der sterbende Geist der Hierarchie seine letzten Gaben ausgegossenzu haben schien, der mit neuer Kraft das Alte zurüstete und mit wunderbarerEinsicht und Beharrlichkeit, klüger als je vorher geschehen, sich des päpst-lichen Reichs und seiner mächtigen Regeneration annahm. Noch war keinesolche Gesellschaft in der Weltgeschichte anzutreffen gewesen. Mit größererSicherheit des Erfolgs hatte selbst der alte römische Senat nicht die Plänezur Welteroberung entworfen. Mit größerem Verstand war an die Ausführungeiner größeren Idee noch nicht gedacht worden. Ewig wird diese Gesellschaftein Muster aller Gesellschaften sein, die eine organische Sehnsucht nach un-endlicher Verbreitung und ewiger Dauer fühlen, aber auch ewig ein Beweis,daß die unbewachte Zeit allein die klügsten Unternehmungen vereitelt, und dasnatürliche Wachstum des ganzen Geschlechts unaufhaltsam das künstlicheWachstum eines Teils unterdrückt. Alles einzelne für sich hat ein eigenesMaß von Fähigkeit, nur die Kapazität des Geschlechts ist unermeßlich. AllePläne müssen fehlschlagen, die nicht auf alle Anlagen des Geschlechts voll-ständig angelegte Pläne sind. Noch merkwürdiger wird diese Gesellschaft alsMutter der sogenannten geheimen Gesellschaften eines jetzt noch unreifen,aber gewiß wichtigen geschichtlichen Keims. Einen gefährlicheren Neben-buhler konnte der neue Lutheranismus, nicht Protestantismus, gewiß nichterhalten. Alle Zauber des katholischen Glaubens wurden unter seiner Handnoch kräftiger, die Schätze der Wissenschaften flössen in seine Zelle zurück.Was in Europa verloren war, suchten sie in den anderen Weltteilen, in demfernsten Abend- und Morgenland vielfach wiederzugewinnen und die aposto-lische Würde und Beruf sich zuzueignen und geltend zu machen. Auch sieblieben in den Bemühungen nach Popularität nicht zurück und wußten wohl,wieviel Luther seinen demagogischen Künsten, seinem Studium des gemeinenVolks zu verdanken gehabt hatte. Überall legten sie Schulen an, drangen indie Beichtstühle, bestiegen die Katheder und beschäftigten die Pressen, wurdenDichter und Weltweise, Minister und Märtyrer, und blieben in der ungeheuren

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